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erstellt von Stefan am 09.06.2011 / letzte Änderung am 03.10.2019
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Vor zwei Jahren habe ich während des gemeinsamen Radlurlaubs in Cesenatico zum ersten Mal von der Nove Colli gehört. Es ist ein Radmarathon über neun Hügel, 205 km und 3840 Höhenmeter, der seit 1971 jedes Jahr im Mai mit Start und Ziel in Cesenatico veranstaltet wird.
Bei
der ersten Austragung nahmen 17 Radsport-Begeisterte teil, inzwischen ist die Teilnehmerzahl auf 12000 gestiegen. Mehr Anmeldungen werden vom Veranstalter nicht angenommen, sonst würden mit Sicherheit noch viel mehr Leute starten.
In meinem jugendlichen Leichtsinn kam ich auf die Idee, die Nove Colli 2011 als sportliche Herausforderung nach meinem 50. Geburtstag mitzufahren. Anfang November 2010 ergatterte ich per Internet einen der begehrten Startplätze und bezahlte die 50 € Teilnahmegebühr. Danach musste ich noch ein ärztliches Gesundheitszeugnis einsenden, da ich kein Mitglied
bei einem Radsportverein bin. Damit waren die Formalitäten erledigt und ich konnte mich mit der sportlichen Seite der Angelegenheit beschäftigen.
Bisher war ich noch nie mehr als 110 km und 1200 Höhenmeter an einem Tag geradelt und es war sonnenklar, dass es ohne vorheriges Training nicht gehen würde. Ende Februar 2011 begann ich, 3 mal pro Woche auf einem Rollentrainer im Keller Rennrad-Trainingskilometer abzustrampeln. Diese Methode hat den Vorteil, zu jeder Tag- und Nachtzeit und unabhängig vom Wetter trainieren zu können. Das Pensum steigerte sich mit zunehmender Kondition und besserem Sitzfleisch allmählich von 1 auf 3 Stunden pro Einheit. Der Fernseher half, das Training nicht zu langweilig werden zu lassen.
Das regelmäßige Ausdauertraining tat mir spürbar gut, ich fühlte mich so fit und belastbar wie noch nie.
Am 19.05.2011 starteten 5 Roradln-Fans (Wolfgang, Uschi, Kurt, Monika und ich) mit 2 Autos und 6 Fahrrädern zu einem 10-tägigen Radlurlaub nach Cesenatico. Am 22.05.2011 war der große Tag gekommen. Aus allen Richtungen sammelten sich 12000 Radfahrer in der Nähe des Hafens, um ab 6:00h auf die Strecke zu gehen. Als Hobbyfahrer befand ich mich in der grünen, der letzten Startgruppe, um 06:48.44.03h überrollte ich die Startlinie.
Die ersten 25 km gingen flach dahin, dank Windschatten mit 35 bis 40 km/h und es machte richtig Spaß, so zügig und relativ mühelos zu fahren. Auch die ersten drei Hügel Polenta, Pieve de Rivoschio und Ciola waren noch nicht allzu anstrengend. Die Abfahrten machten einen Heidenspaß, man wurde 50 bis 60 km/h schnell und musste nur wegen der zahlreichen Kurven ab und zu bremsen.
Das Rennen ist hervorragend
organisiert mit reichlich Verpflegungsstellen, Streckenposten, technischer und medizinischer Unterstützung. Die Trinkflaschen mussten bei strahlendem Sonnenschein oft aufgefüllt werden. Unterwegs versorgten mich netterweise Silvia und Thomas mit isotonischen Getränken und Flüssignahrung. So konnte ich frisch gestärkt den 4. und steilsten Hügel Barbotto in Angriff nehmen.
Bei diesem Anstieg begannen leider Muskelkrämpfe im linken Oberschenkel, die ich trotz Magnesium-, Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr nicht mehr ganz los wurde. So musste ich mehr mit dem rechten Bein arbeiten und drückte teilweise auch mit der linken Hand beim Treten nach. Immer öfter wurde auch der Wiegetritt im Stehen notwendig, auch um dem strapazierten Hintern eine Erholung zu verschaffen. Nach der nächsten Abfahrt teilte sich die Strecke und ich widerstand erfolgreich der Versuchung, auf die kürzere
Runde von 130 km und 1871 Höhenmetern abzubiegen. Weiter gings über Monte Tiffi und Perticara zum Monte Pugliano. Hier war nach 141 km der mit 791 m höchste Punkt der Strecke erreicht.
Ich nutzte fast jede Verpflegungsstelle zu einer kurzen Rast und aß einige Bananen, Kekse, Brote oder einen Teller Pasta. Aus Angst vor einem Hungerast tat ich etwas viel des Guten und war nach all den Stärkungen bis ins Ziel ziemlich satt. Die Abfahrten und flachen Passagen brachten willkommene Gelegenheiten zur Erholung. Nach dem Anstieg zum Passo delle Siepi wartete nur noch der 9. Hügel, der Gorolo. 4 km Anstieg und 274 Höhenmeter sind vergleichsweise unspektakulär, der letzte km aber ziemlich steil und mit bereits 3700 Höhenmetern und 175 km in den Beinen tut sich unsereiner da nicht mehr so leicht.
Danach gehen die letzten 30 km bis Cesenatico ohne nennenswerte Steigungen fast wie von selbst, das näher kommende Ziel beflügelt und die inzwischen etwas wunde Sitzfläche will auch nicht mehr lange auf dem Rennradsattel zubringen. Um 17:45h erreichte ich angemessen k.o. und sehr zufrieden das Ziel und wurde sehr nett von den anderen Mitreisenden empfangen.
Das ganze Projekt war aus meiner Sicht ein voller Erfolg und eine tolle Erfahrung. Ich kann mir sehr gut vorstellen, nächstes Jahr wieder an der Nove Colli teilzunehmen und hoffe auf Mitstreiter. Monika schaut sich bereits nach einem Rennrad um und wird evtl. die kleinere Runde mitfahren. Andere Interessenten sind für 2012 herzlich eingeladen. Vielleicht können wir uns auch als Gruppe "Roradln" anmelden.
Unser mitgereistes "Reporterteam Silvia und Thomas" hat einen kurzen Film gedreht, der hier zu sehen ist: Film Nove Colli 2011.
Die Bilder von Stefan während der Tour wurden vom Foto Studio 5 in Cesenatico erstellt.
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