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erstellt von Kurt am 28.06.2011 / letzte Änderung am 11.08.2012
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Er ist bei Radtouristen in aller Munde – der erste Fünf-Sterne-Radweg in Deutschland – der Main-Radweg. Wir wollten testen, wie es sich darauf radelt. Hier ist unser Bericht.
Tag 1 – 57 km
Wieder einmal stand ein verlängertes Wochenende an, und die Wetteraussichten im Alpenvorland waren nicht berauschend. In der Maingegend sah es ganz passabel aus, und so entschlossen wir uns, den Mainradweg von Bamberg bis Würzburg zu radeln. Als Beginn der Reise wählten wir wegen der guten Zugverbindung ab Rosenheim die fränkische Metropole Nürnberg aus.
Am Hauptbahnhof
in Nürnberg angekommen war die Orientierung leicht, da die Stadt für den Radverkehr sehr gut ausgeschildert ist. Wir fuhren Richtung Fürth entlang von Pegnitz und Regnitz. Bis hierhin waren die Wege optimal beschildert, dann verließen wir den Regnitz-Radweg, um Erlangen zu besuchen. Die Wegführung nach Erlangen-Zentrum war chaotisch, keine Schilder an wichtigen Kreuzungen, oder wir landeten in Wohnsiedlungen oder vor Bahngleisen ohne Querungsmöglichkeit. Wir haben zum Schluss das GPS benutzt, welches jedoch nicht immer die reizvollsten Wege aussucht – aber wir kamen an. Nach einer kurzen Rast in der Innenstadt suchten wir wieder den Weg zum Wasser – vergebens. Also ließen wir uns wieder vom GPS aus der Stadt leiten und fuhren Forchheim entgegen.
In Forchheim
war die Touristinfo geschlossen. Es waren keinerlei Hinweise auf Unterkünfte zu finden. Nicht alle Radler sind mit einem Smartphone unterwegs und können so über die Internetseite der Stadt Infos abrufen. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass manche Touristinfos sich so wenig nach den Bedürfnissen ihrer Gäste richten. Gaststätten machen doch auch nicht abends zu, nur weil keiner gern zu später Stunde noch arbeitet. Unser Navi bot einige Hotels an, leider ohne Telefon-Nr. so dass wir sie einzeln abfahren mussten – aber wir haben dann was gefunden.
Im Gasthaus Schwane haben wir für unser leibliches Wohl gesorgt, Essen und Trinken war fränkisch gut und aus unserer Sicht sehr empfehlenswert. Zum Schluss hatte die nette Wirtin noch den einen oder anderen Tipp zu Forchheim für uns parat.
Tag 2 – 67 km
Da
unsere Unterkunft ohne Frühstück war und wir nicht im Plaza-Hotel frühstücken wollten, folgten wir dem Rat der Schwane-Wirtin und wählten die Bäckerei Beck – ein guter Tipp.
Entweder war der Weg zur Regnitz und zum Kanal nicht sonderlich gut ausgeschildert oder wir haben den entscheidenden Hinweis übersehen, jedenfalls mussten wir das GPS bemühen und fuhren einen Umweg über die Hauptstraße zum Main-Donau-Kanal . Entlang der Wasserstraße kamen wir nach Bamberg und folgten dort der guten Beschilderung.
So erreichten wir den Main-Radweg, der vom ADFC fünf Sterne bekommen hat, also die höchste Auszeichnung für einen Radweg in Deutschland. Wir waren gespannt, denn unsere bisher gefahrenen Wege waren nicht so hoch dekoriert. Vorher sei noch schnell etwas zu Bamberg gesagt: Wir waren schon zweimal in dieser tollen Stadt, für die man sich mindestens einen ganzen Tag Zeit nehmen sollte. Deshalb sind wir diesmal nur durchgefahren.
Jetzt
waren wir also auf dem Fünf-Sterne-Radweg. Die Ernüchterung stellte sich jedoch schnell ein. Die Wegführung ging entlang der viel befahrenen B26. Dass es fast 20 km sein sollten, hätten wir uns anfangs nicht träumen lassen. Unseres Erachtens gehört zu einem so hoch dekorierten Weg mehr als nur gute Beschilderung und geteerter Untergrund. Wir fahren eine Tour nicht allein um des Fahrens Willen, auch Natur und Ruhe sind für uns wichtige Merkmale.
In Eltmann wollten wir etwas Öl für unsere unruhige Kette erwerben. Auf den 15 km von Bamberg hierher bot sich keine Möglichkeit, dem Fahrrad technisch etwas Gutes zu tun. Also versuchten wir an der Aral-Tankstelle
mit angegliederter Ford-Werkstatt unser Glück. Zu kaufen gab es kein Öl für's Rad, und die nette Dame an der Tanke schickte uns in die Werkstatt. Auf die Nachfrage für einen Tropfen aus der Kanne beschied uns der Werkstattleiter mit den Worten: "Kauft Euch Öl und schmiert eure Räder zu Hause, hier macht ihr mir nur Flecken auf den Hof." Soviel "Gastfreundlichkeit" hatten wir nicht erwartet.
In Haßfurt angekommen gingen wir zur Tourist-Info, die erfreulicherweise freitags bis 17:00 Uhr geöffnet hatte und fanden dank kompetenter Beratung eine schöne, ruhige Unterkunft am Mainufer mit Blick auf Schutzhafen und Main. Haßfurt gefiel uns gut, es ist ein schöner beschaulicher Ort, den wir jederzeit weiterempfehlen können.
Tag 3 – 89 km
Nach einer
ruhigen Nacht am Mainufer wurden wir sanft vom Schiffsdiesel eines Fluss-Kreuzfahrtschiffes geweckt, das im Schutzhafen vor Anker lag.
Jetzt waren wir auch landschaftlich den Radweg-Sternen etwas näher gekommen.
Der Weg nach Schweinfurt gestaltete sich ganz nett, es ging durch Wiesen und Felder und immer wieder am Main entlang. In die Innenstadt drangen wir nur bis zum Marktplatz vor. Das rege Markttreiben machte es uns schwer mit den Rädern. So entschlossen wir uns zur Weiterfahrt. Inzwischen war es für Sommeranfang mit nur 16 Grad empfindlich kalt geworden, so dass wir die warmen Sachen anzogen. Wir verließen Schweinfurt, umfuhren weitläufig das AKW Grafenrheinfeld und kamen bald nach Wipfeld, wo wir
mit der Fähre zur anderen Mainseite in Richtung Volkach übersetzten.
Nachdem schon in Schweinfurt der Wind wieder zugenommen hatte, gesellte sich jetzt leichter Regen hinzu, der bis zum Abend nicht mehr aufhören sollte. Schon am Vortag hatten wir gegen starken Gegenwind angekämpft und uns heute eigentlich Erleichterung erhofft.
In Fahr warteten wir unter einem Baum die heftigsten Schauer ab und fuhren dann weiter nach Volkach. Wir beließen es bei einem kurzen Stadtspaziergang, nahmen die Mainschleife nicht über Nordheim, sondern wählten den direkten Weg nach Schwarzach. Auch an diesem Ort sowie an allen weiteren bis Kitzingen fuhren wir aufgrund des regnerischen und kalten Wetters vorbei. Wir hatten
einfach keinen Bock auf eine Besichtigung bei Regen und Wind.
In Kitzingen angekommen war die Tourist-Info, wie nicht anders zu erwarten, geschlossen. Auch hier hatte man sich an diesem Samstag trotz Gartenschau und Weinfest entschlossen, die Gäste ihrem Schicksal zu überlassen. Viele Rat suchende standen gemeinsam mit uns vor den veralteten Zimmernachweisen. Nach einigen Anrufen (Zimmer waren belegt oder standen schon seit Monaten nicht mehr zur Verfügung) entschieden wir uns zur Weiterfahrt. In dieser Stadt wollten wir nicht bleiben. Aufgrund der Gartenschau war die Beschilderung der Radweg-Umleitung nicht immer zielführend.
Unser nächstes Ziel war Marktsteft. Im Gasthaus "Zum Goldenen Hirschen" war aufgrund einer Familienfeier zwar nichts mehr frei, aber die hilfsbereite Wirtin besorgte uns ein Zimmer im nahegelegenen Marktbreit.
Wenn schon die offiziellen Stellen nicht in der Lage sind, zu kundenorientierten Zeiten zu öfnnen, kann man für soviel Privat-Engagement nur dankbar sein.
In Marktbreit bezogen wir erschöpft nach ca. 90 km, davon 50 im Regen unser gemütliches Zimmer im "Gasthof Zum Goldenen Schiff." Marktbreit ist ein sehenswertes Kleinod am Main. Den Slogan der Stadt: Nimm Dir Zeit für Markbreit sollte man unbedingt befolgen.
Tag 4 – Heimreise
Am letzten Tag zeigte sich, wie nicht anders zu erwarten, das Wetter wieder von seiner besten Seite. Da wir vor einigen Jahren schon mal im Raum Würzburg einen Standort-Radurlaub verbracht haben, radelten wir nur noch etwa 8 km bis Ochsenfurt. Nach einer Stadtbesichtigung fuhren wir mit dem Zug zurück nach Rosenheim.
Fazit
Das Wetter hätte sommerlicher sein können, die Touristinfo kundenfreundlichere Öffnungszeiten haben, die Radweg-Beschilderugen manchmal etwas stimmiger sein, die Sterne nicht immer so üppig vergeben werden und unsere verfügbare Zeit müsste wesentlich länger sein.
Und ganz zum Schluss ...
... möchten wir noch was zu der Tour sagen. Es gibt viele interessante Orte und Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. Alles kann man sich nicht ansehen. Wir haben eine für uns ganz persönliche Auswahl getroffen, die sicher jeder anders machen wird. Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wir schildern die Reise, so wie wir sie erlebt haben. Bei einigen Orten oder für uns interessanten Objekten haben wir einen offiziellen Link hinzugefügt.
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