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erstellt von Kurt am 25.03.2014 / letzte Änderung am 27.05.2024
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Im März 2014 startete RoRadln zu einer Radreise auf die Kanareninsel Lanzarote. Den Bericht könnt ihr hier lesen. Viel Vergnügen.
18.3.14 - Ankunft
Nach ruhigem Flug kamen wir gegen
14:00 Uhr im Hyde Park Lane in Puerto del Carmen an. Die Anlage erwies sich als gute Wahl etwas abseits vom Massentrubel. Wir wohnten in kleinen, netten Bungalows. Danach holten wir die Räder bei Radverleih Renner Bikes ab. Nach einer kurzen Probefahrt und Einstellung von Pedalen, Sattel u.ä. ging es los. Der neue Radweg entlang der Promenade brachte uns hinab zum alten Ortskern des ehemals kleinen Fischerdorfes Puerto del Carmen.
Hier hatten wir bei unseren früheren Lanzarotereisen immer gut gegessen. Wir waren hungrig, und so wählten wir eins der Lokale aus. Die Portionen erwiesen
sich dann als sehr übersichtlich, und die Rechnung war mehr als happig. War früher der Hafen noch ein Geheimtipp, findet man heute hier nur noch Nepp. Es sind so viele Besucher auf Lanzarote, dass die Gastronomie glaubt, sich alles erlauben zu können. Es kommen ja täglich Flugzeugladungen von neuen Gästen. Wahrscheinlich waren wir von unseren letzten Urlauben auf der wesentlich beschaulicheren Insel La Palma verwöhnt.
Wir strampelten zurück zu unseren Bungalows und kauften uns im Supermarkt einen guten Rotwein, den wir uns bei lauen Temperaturen auf der Terasse munden ließen.
19.3.14 - Feuerberge
Wir hatten ohne Verpflegung gebucht, jedoch bei der Auswahl
der Unterkunft gesehen, dass man dort auch frühstücken kann. Da sich bei der Buchung kein Preisvorteil ergab, wollten wir erst mal testen, wie es schmeckt und dann ggf. das Frühstücks-Angebot annehmen. Wir waren positiv überrascht und werden jetzt jeden Morgen für fünf Euro das Angebot annehmen.
Entgegen der Wegplanung nahmen wir eine Piste, die direkt hinter der Bungalow-Anlage begann. War der Weg anfangs noch recht angenehm zu fahren, wurde er dann recht unwegsam und steil. Absteigen und schieben war angesagt. Nach ein paar Kilometern bergauf erreichten wir Tias. Das ist die Kommune, zur der auch Puerto del Carmen gehört. Hier wohnen die Einheimischen von Puerto del Carmen.
Nach Unterquerung der stark befahrenen wichtigen Inselstraße LZ 2 kamen wir über Conil
in die Weingegend von La Geria. Überall sieht man halbkreisförmige Trichter, in denen jeweils eine Weinrebe steht. Die Steinwälle sind gen Nordost, der vornehmlichen Windrichtung ausgerichtet und schützen die Pflanze vor Austrocknung. Dieses Weinbaugebiet ist ein Teil der Lavafelder des nahe gelegenen Vulkangebietes von Timanfaya und geht nahezu nahtlos in dieses über. Überall tauchen Vulkane, Krater und Hornitos auf.
Auf den freien Flächen setzte uns der aus NO wehende Passatwind immer wieder kräftig zu. Kurz hinter Mancha Blanca wechselten wir dann die Fahrtrichtung gen SO und wurden wie von Geisterhand dahin getrieben. Nach dem
Wahrzeichen von Timanfaya, einem Teufel, das am Rand des Nationalparkes steht, tauchte ein weißes Gebäude auf, das sich harmonisch in die Landschaft einpasste, das Besucher- und Informationszentrum. Hier erfuhren wir viel wissenswertes über Lanzarote und die einmalige Vulkanlandschaft. Ein besonders eindrucksvolles Erlebnis war die Simulation eines Vulkanausbruches. Wir waren mitten drin im Geschehen und bekamen eine Vorstellung, wie es Menschen ergehen muss, die dies in der Realität spüren und um Leben, Hab und Gut bangen müssen.
Wir fuhren weiter zu den Feuerbergen, ein absolutes Muss auf Lanzarote. An dieser Stelle ist die Erdwärme in greifbarer Nähe, ca. 400 Grad nur wenige Meter unter der
Oberfläche und das schon seit fast 300 Jahren.
Dann erwartete uns eine fünf Kilometer lange Abfahrt nach Yaiza, unterbrochen durch einen kleinen Stopp bei der Kamelstation am südlichen Fuß des Timanfaya. In einer kleinen Tapasbar in Yaiza sind wir dann bei angenehmem Ambiente eingekehrt. Hier zeigte sich einmal mehr, welchen Wert es hat, ein wenig von der Landessprache zu beherrschen. Die Ausgaben hier betrugen ein Drittel des Vortages, und gegenüber gestern waren wir wirklich satt. Yaiza liegt noch bei anderen Touren auf dem Weg, wir kommen bestimmt wieder.
Der Weg von Yaiza nach Puerto del Carmen gestaltete sich als recht zügig, lediglich eine Baustelle auf der LZ 2 war etwas stressig. Wir bogen dann ab nach Puerto Calero, dem Yachthafen von Puerto del Carmen, schauten uns kurz um und nahmen dann den Pedales del Lava nach Puerto del Carmen.
Es ist landschaftlich ein wunderschöner
Weg entlang der Küste, aber nur mit dem MTB gut zu fahren, da er teilweise recht steinig oder mit tiefgründigem Lavasand versehen ist. Um Stürze in die scharfkantige Lava zu vermeiden, schoben wir an den gefährlichen Stellen. Kurz vor Puerto del Carmen zwang uns dann ein Barranco zum Tragen unserer Drahtesel.
Heute fuhren wir am Restaurante unseres Vertrauens vorbei, ohne es eines Blickes zu würdigen. Den Abend ließen wir auf unserer Terasse ausklingen, bei sehr leckrem Wein von Lanzarote.
20.03.14 – Jardin de Cactus
Wir planen all unsere Touren vorher am PC, und es wird nach GPS-Track gefahren. Heute ging es auf einem anderen Weg gleich hinter den Bungalow-Anlagen auf eine Piste. Der Weg war tiefgründig und ohne den
Track nur schwer zu erkennen. Nach ein paar Schiebepassagen wurde er dann aber besser. Vom Weiten war auf der Piste, wo wir herkamen, eine riesige Staubwolke auszumachen. Was war da los? Laute Gelände-Fahrzeuge kamen näher und würden bald an uns vorbei ziehen. Wir flüchteten weit ab der Piste ins Gelände, um nicht den aufgewirbelten Staub schlucken zu müssen.
Bald erreichten wir auf schöner, wenn auch staubiger Piste Güime mit einladenden Marktplatz. Nach einer kurzen Pause ging es weiter ins nur zwei Kilometer und 100 Höhenmeter entfernte San Bartolomé. Dieses kurze Stück hatte es allerdings bei heftigem Gegenwind und knackiger Steigung in sich. San Bartolomé hat einen schönen Stadtplatz, wo wir eine Pause einlegten, uns die Kirche und den schönen Brunnen anschauten und ein paar Bananen als Energiespender erwarben. Die Fahrt zum
Stadtplatz hatten wir auf unserem Track nicht eingezeichnet, und so gestaltete es sich aufgrund der vielen Einbahnstraßen als etwas verzwickt, wieder den richtigen Weg nach Teguise zu finden. Endlich waren wir auf der geplanten Piste, die anfangs recht gut aussah, alsbald aber grottenschlecht wurde. Entweder war sie tiefgründig mit losem Lavasand oder so von Querrillen durchsetzt, dass es besser war, die Zunge hinter den Zähnen zu verstecken, sonst ...
Nach drei Kilometern wechselten wir auf die LZ 30, die parallel zu der Piste verlief. Die ist kerzengerade, hat nicht unerhebliches Verkehrsaufkommen, eine ständige Steigung und ist besonders windanfällig, da hier die berüchtigten starken Brisen von Famara her vorherrschen.
Endlich in der schönen alten Hauptstadt angekommen, musste die Stadtbesichtigung ins Wasser fallen, da uns aufgrund der Weg- und Windverhältnisse die Zeit davon gelaufen war und noch ein wichtiges Highlight anstand, der Jardin de Cactus in Guatiza. Es folgte ein weiterer leichter Anstieg, weiter ging es auf einem ruhigen, leicht welligen Weg durch kleine Orte und Siedlungen um zwei Vulkankegel herum. Dann lag es im Tal vor uns: Guatiza.
Im Jardin de Cactus, einem Schmuckstück von César Manrique haben wir uns viel Zeit genommen, um Kakteen aus aller Herren Länder in einem wunderschön arrangierten Garten zu bewundern. Dann meldete sich langsam unser
Magen. Im Garten gab es zwar ein Lokal, wir bevorzugten jedoch die Einkehr in einem kleinen Lokal im Ort. Sobald man etwas abseits der Touristenströme einkehrt, bekommt man guten Service zu fairen Preisen.
Gut gestärkt rauschten wir zum Meer hinab auf den "Pedales de Lava", einen MTB-Radweg, der die gesamte Insel umspannt. Der hat es allerdings an vielen Stellen wirklich in sich. Zuerst wurden wir mit einer mörderischen Waschbrettpiste überrascht. So was sollte man vor unseren Ortschaften in die Fahrbahn einlassen, dann würde jeder freiwillig 30 km fahren. Da war schon das ganze fahrerische Können notwendig,
um alle Passagen sicher zu meistern. Solche Pisten sind wir jedenfalls bisher über solche Distanzen noch nicht gefahren, aber das tiefblaue Meer und die in allen Braun- und Rottönen leuchtende Landschaft entschädigten uns für alle Strapazen, ein Genuss für die Sinne. Ab der Costa Tegiuse, einer reinen Touristensiedlung geboren aus dem Nichts, wurden zwar die Wege besser, aber der unvergleichliche Charme des Weges war weg. Es war nur noch praktisch.
Nach der Costa Tegiuse wartete noch Arrecife auf uns. Hatten wir es schon aus Jahren zuvor in schlechter Erinnerung, drängte sich der Verdacht auf, dass die Stadt alles tut, um seinen schlechten
Ruf zu erhalten.
Als wir endlich auch das hinter uns hatten, ging es weiter entlang der neuen Strandpromenade direkt vorbei an den Landebahnen vom Flughafen. Die großen Vögel setzen direkt hinter dem Strand auf. Man hat das Gefühl, den Kopf einziehen zu müssen, so dicht fliegen diese Dinger über einen hinweg. Kurz danach erreichten wir geschafft, aber voller interessanter, neuer Eindrücke unser Quartier. Den Abend ließen wir gemütlich bei einem kleinen Imbiss und dem einen oder anderen Gläschen Rotwein ausklingen.
21.03.14 – El Golfo
Der Tag begann nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Der Himmel präsentierte sich in verschiedenen
Grautönen, von Sonne leider nichts zu sehen. Zudem hatte der schon in den letzten Tagen recht heftig wehende Wind noch an Stärke zugenommen, ca. 50km aus Nord-Ost.
Wir ließen das Frühstück gemütlich angehen, nahmen uns Zeit und bestellten einen Leihwagen für den morgigen Tag. Kurze Zeit später lockerte es leicht auf und die geplante Tour wurde in Angriff genommen. Da wir ans andere Ende von Puerto del Carmen mussten und nicht die Touri-Meile am Strand entlang nehmen wollten, hatten wir schon vorsorglich eine Route durch die Wohnsiedlungen geplant. Was wir nicht berücksichtigt hatten, waren die vielen Einbahnstraßen, durch dessen Gewirr es nicht immer möglich war, einen passenden Weg zu finden. So fuhren wir die eine oder andere Calle einfach in entgegengesetzter Richtung. Endlich waren wir draußen.
Auf recht netten Wegen, anfangs noch geteert, später eine gute Piste, schraubten wir uns langsam noch oben. Nach 9 km waren wir bei
Höhe 175 in Macher. Der Berg war heute nicht das einzige Problem. Heftiger Gegenwind, mit Spitzen bis zu 50 km versuchte uns vom Rad zu fegen. Jetzt wurde es erst richtig steil. Nach weiteren 3 km hatten wir den höchsten Punkt mit 382 hm erreicht. Und der Wind pfiff uns mit voller Macht um die Ohren. Vor uns breitete sich das Weinanbaugebiet von La Geria aus, dahinter erhoben sich majestätisch, ja fast drohend die Feuerberge rund um Timanfaya. Eine bedrückende und doch faszinierend schöne Welt.
Nach einer kurzen Abfahrt, wir mussten ständig aufpassen, dass uns die heftigen Windböen nicht von der Straße in die
messerscharfen Lavafelder pustete, kamen wir wieder auf eine Piste. Diese war stellenweise recht tiefgründig und versehen mit dem typischen Waschbrettbelag. Der entsteht, wenn motorisierte Fahrzeuge sich beim Befahren dieser Wege in den lockeren Untergrund eingraben. Trotz des etwas gewöhnungsbedürftigen Fahrgefühls wähnten wir uns in einer traumhaften Landschaft mit kleinen Steinwällen, welche Weinreben und anderen Früchte vor dem ständig wehenden Wind schützen. Das Gebiet um La Geria gehört zum Weltkulturerbe.
In einer Bodega erstanden wir nach einer Mini-Weinprobe eine Flasche Malviser-Wein. Dann ging es auf zügiger
Abfahrt flott hinunter nach Uga und weiter durch den Ort Yaiza zu den Salinen von Janubia. Diese Angelegenheit war recht entspannend, da uns der kräftige Rückenwind von Höhe 325 auf 50 hinab trieb.
Hier wechselten wir die Richtung und der Wind hatte uns wieder.
Wir besichtigten einen Teil der Salzgewinnung und radelten dann entlang der Küste, wo sich zur Zeit der heftigen Vulkanausbrüche die Lava ins Meer ergoss und bizarre Felsformationen erschuf. Immer wieder sind Buchten und Rinnen entstanden, an denen das Meer gegen die erstarrte Lava anzukämpfen scheint. Besonders eindrucksvoll ist das an den "Los Hervideros" zu sehen. Überall gurgelt das Wasser in Höhlen und durch Felsspalten. Bei Flut (hatten wir heute leider nicht) schießen Fontänen durch die Spalten bis nach oben.
Wir setzten unsere Fahrt fort und erreichten
bald den Krater von El Golfo. Wo sich früher ein Zugang befand, war heute eine Absperrung, jedoch nicht so zwingend, dass man hätte erkennen können, dass dieser Teil generell nicht betreten werden darf. Also fuhren wir hindurch und wurden mit dem grandiosen Blick in den zur Hälfte vom Meer verschlungenen Krater belohnt. Außer uns befand sich keiner in dem Areal. Wenig später kamen wir an eine Absperrung, die von der entgegengesetzten Seite, den soeben von uns verlassenen Bereich für jeden Zutritt sperrte. Deshalb sind wir also allein gewesen, ohne störende Bushorden.
Am groben Kiesstrand ließen sich dann die Räder nicht so gut fort bewegen, ganz zu schweigen an dem roten Hang mit lockerem
Geröll. Doch auch diesen steilen Weg meisterten wir besser, als mancher Tagestourist in Schuhwerk, das höchstens gut für Sanitärräume in Hallenbädern geeignet ist. Den Ort El Golfo selbst ließen wir aus und planten unsere Einkehr wo anders. Wo vier Busladungen darauf warten, abgefüttert zu werden, wollten wir uns nicht hinzu gesellen. Die acht Kilometer zu unserer Einkehr in Yaiza erkämpften wir uns wieder. Dann ließen wir es uns in der kleinen Bar vom ersten Tage gut gehen.
Die Heimfahrt ging vorbei an Uga auf die stark befahrene LZ 2, die wir jedoch alsbald in Richtung Playa
Quemada verließen. Wir rauschten bei rasanter Fahrt bis kurz vor den Ortseingang und benutzten dann einen etwas stärker durchwachsenen Weg als Abkürzung, um auf den Pedales de Lava zu gelangen. Die Pistenfahrt war diesmal nur zwei Kilometer, hatte es dafür aber in sich. Nicht jede Passage war für alle Teilnehmer fahrbar. Wer noch die frühere Erinnerung eines Sturzes in die scharfe Lava in seinem Gedächtnis hatte, schob an der einen oder anderen Stelle.
In Puerto Calero wählten wir dann entgegen dem ersten
Tag den Weg zurück nach Puerto del Carmen über die Landstraße anstelle dem "Pedales de Lava". Dies war zwar die ödere Variante, aber leichter zu fahren, vom Gegenwind einmal abgesehen. Am Ortsrand von Puerto del Carmen angekommen wählten wir den gleichen Weg durch die Siedlung zurück. Der Anteil der Einbahnstraßen, die wir in korrekter Richtung fuhren war diesmal höher, als am Morgen.
Und was haben wir am Abend gemacht? Genau, uns einen guten Wein gegönnt und den gelungenen Tag Revue passieren lassen.
22.03.14 – Auf in den Norden
Wenn es an einem auf Lanzarote nicht
mangeld, dann ist es der Wind. Der pustet zwar immer wieder die Wolken weg, aber Böen mit bis zu 80 km/h lassen nicht die rechte Fahrradfreude aufkommen.
Am Freitag war für Samstag bewölkter Himmel und eben diese Windstärke vorausgesagt, und so hatten wir uns am Vortag einen Mietwagen bestellt, um den Norden der Insel mit diesem Gefährt zu erkunden. Zudem wäre eine Radtour durch den Norden bei diesen Wetterverhältnissen und der Wegbeschaffenheit des "Pedales de Lava" an einem Tag nicht realisierbar gewesen. Und wir wollten doch so gern den Blick von der Famara-Steilküste genießen, Orzola als den nördlichsten Ort von Lanzarote besuchen, unbedingt die Cueva de los Verdes besichtigen, und, und, und.
Bestellt war ein Auto mit Automatik, so hatte es sich der Fahrer dieses Tages gewünscht. Die coche
wurde rechtzeitig geliefert und es konnte los gehen. Wir waren abfahrtbereit, der Zündschlüssel wurde gedreht und --- klick --- nichts. Die Karre sprang nicht an. Ein herbei gerufener Techniker setzte sich ins Auto, drehte den Zündschlüssel, und das Motorgeräusch erklang. Als wir es dann versuchten, funktionierte es auch – warum bloß vorher nicht.
Dann ging es los. Wir wollten um Arrecife herum Richtung Tahiche – Teguise. Doch die Schilder scheinen in Spanien sündhaft teuer zu sein. Daher sind sie nur spärlich angebracht. Wir fanden keins, was unser gewünschtes Ziel anzeigte und landeten prompt mitten in der Stadt. Mit viel Pioniergeist fanden wir den Weg wieder hinaus.
Bald erreichten wir
Teguise, die alte Hauptstadt und mit wesentlich mehr Charme, als Arrecife, die heute den Chef-Titel trägt. Wir besichtigten Stadt und Kirchen und setzten dann unseren Weg fort. Oberhalb von Los Valles bot sich rückwärtig ein schöner Blick auf den Ort Los Valles, die Burg von Teguise und das Umland, das sich in allen Rottönen mit sattem Grün abwechselte. In dieser expornierten Lage zeigte der Wind sein ganzes Können, und wir waren froh, alsbald wieder im geschützten Auto zu sein.
Am höchsten Punkt unserer heutigen Strecke bei ca. 600 Metern über NN hatten wir eine fantastische Aussicht auf Haira mit seinen vielen Palmen und auf die
Küstenlinie im Nordosten mit den Fischerorten Arrieta und Punta de las Mujeres. In vielen Kehren ging es hinab nach Haira. Eigentlich wollten wir ein wenig im Ort verweilen. Dieser war jedoch aufgrund eines Touristenmarktes total überlaufen und wir suchten ohne freiwilligen Halt schnell das Weite.
Bald hatten wir den ersten Aussichtspunkt Mirador de Guinate an der Steilwand von Famara errreicht. Die Aussicht hinüber nach La Graciosa war überwältigend. Dann fuhren wir weiter zum Mirador del Rio, ein von César Manrique geschaffenes Kunstwerk bestehend aus Aussichtskanzel und Restaurant, perfekt in den Berg eingepasst
und mit der Natur fast eins. Das gibt es jedoch nicht umsonst, 4,50 Euro sollte es einem schon wert sein. Uns war es das wert. Hier ist die Aussicht allein schon aufgrund der größeren Höhe und der perfekten Lage noch besser, als am Mirador de Guinate.
Weiter führte uns der Weg an den nördlchsten Ort der Insel, nach Orzola. Wir schauten ein wenig im Hafen zu, wie die Fähre nach La Graciosa ablegte. Neben einigen Fischlokalen, die um die Gunst der Touristen warben, war hier der Hund begraben. Wir steuerten eine weitere Hauptattraktion dieser Rundfahrt an, die Cueva de los Verdes.
Zuerst fuhren wir an der Küste entlang, durchsetzt von
schneeweißem Sand. Ansonsten heißt das Land hier "Malpais de la Corona", also grob übersetzt "schlechtes Land von Corona". Das Lavagestein ist hier im Gegensatz zum Gebiet von Timanfaya zwar grün überwuchert, aber ansonsten genauso unzugänglich, so als wären die Vulkanausbrüche noch nicht so lange her.
Wir besichtigten die Cueva de los Verdes, eine Lavahöhle, die sich beim Ausbruch des Montaña de la Corona gebildet hat. Die Lava an der Oberfläche war schon erkaltet, aber weiter unten noch flüssig und so entstand diese Höhle.
Danach fuhren wir weiter zu dem gemütlichen Fischerort Arrieta, wo wir im Restaurante El Lago einkehrten und frischen Fisch verspeisten. Die Rückfahrt über die LZ 1 und LZ 2 nach Puerto del Carmen war unspektakulär, die Wegweisung allerdings zielführender, als auf dem Hinweg.
23.03.14 – Arrecife, die Hauptstadt
Für den heutigen
Tag war laut Vorhersage das schlechteste Wetter angesagt: bewölkt und noch stärkerer Wind, als an den Tagen zuvor. Und so kam es auch. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns später auf den Weg in das nur ca. 12 km entfernte Arrecife. Vorher fuhren wir noch bei unserem Radverleih Renner vorbei und ließen unsere Räder wieder auf Vordermann bringen. Aufgrund der staubigen Pisten in den letzten Tagen hatten sie etwas gelitten, und die Kette konnte ein paar Tropfen Öl vertragen. Danach ging es entlang des "Pedales de Lava", der sich immer an der Küstenlinie vorbei an einer endlosen
Aneinanderreihung von Bungalows, Bars, Tand- und Souvenirläden dahinzieht.
Arrecife ist nicht sonderlich sehenswert, aber es war für den heutigen Tag die beste Lösung. Auf dem Weg dorthin geht es auch am Flughafen vorbei. Hier wähnten wir uns in einem Sandsturm, an den Beinen prickelte es, zwischen den Zähnen knrischte es und die Wege waren vom Sand so verweht, dass das Fahren teilweise nicht möglich war.
Bald
waren wir in Arrecife. Die einzigen sehenswerten Monumente, das Castillo de San Gabriel und die Iglesia de San Ginés in der Altstadt waren geschlossen. Dafür testeten wir zwei geöffnete Fischerlokale in der Altstadt und traten danach den Rückweg an. Wir kamen wieder an der Einflugschneise vom Flughafen Lanzarote vorbei und schauten den großen Vögeln noch ein wenig bei der Landung zu, bevor wir wieder unsere Unterkunft im Hyde Park Lane ansteuerten.
24.03.14 – Femes
Nach einem Tag totaler Bewölkung, wurden
wir auch heute trotz anders lautender Vorhersage mit bedecktem Himme geweckt, der sich dann aber kurz nach dem Frühstück immer mehr aufhellte. Heute stand Femes und Playa Blanca auf dem Programm.
Wie immer konsultierten wir unseren Reiseführer, um uns über die wichtigsten Begebenheiten der jeweiligen Tagestour zu informieren. Was wir da lasen, verschlug uns förmlich die Sprache. Trotz Baustopp und fehlender Baugenehmigungen wurde die schöne Küste um Playa Blanca rücksichtslos zu gebaut. Alt Eingesessene mit Wohnrecht wurden durch den korrupten
Bürgermeister von Yaiza einfach per Dekret zwansgsenteignet, eine wunderschöne Steilküste musste einem Yachthafen für gut Betuchte weichen und die berühmten Papagayo-Strände liegen in unmittelbarer Nähe der illegalen Hotelbauten. César Manrique würde sich im Grab umdrehen. Allein aufgrund dieses Umstandes werden wir wahrscheinlich nicht mehr so schnell nach Lanzarote fahren. Solche korrupten Machenschaften ekeln uns an, und wir sind nicht bereit, das zu unterstützen. Es ist schlimm genug, dass die EU diesen Wahnsinn noch mit 30 Mio Euro subventioniert hat.
Ob es nun dieser Umstand war, oder wir einfach nur einen schlechten Tag erwischt hatten, der restliche Tag war jedenfalls voller
Tücken. Zum einen war zwar wieder die Sonne da, aber der Wind hatte ein weiteres Mal an Heftigkeit zugenommen. Trotzdem fuhren wir los. Am Ortsende von Puerto del Carmen hatten wir eine Panne zu beklagen. Der Mantel eines Rades war aufgeschlitzt, der Schlauch platt. Wir fanden kein Loch, entschlossen uns aber, zurück zum Radhändler zu fahren. Dort angekommen, war die Luft wieder raus aus dem Pneu. Der Schaden wurde umgehend behoben, und es konnte von neuem los gehen.
Zuerst steuerten wir Puerto
Calero an. Dann ging es durch die Felder. Die Wege waren ganz passabel zu fahren, wenn auch ein Scherzkeks in den Karten von OSM Wege eingezeichnet hatte, die es nicht gab. Nachdem wir die Straße nach Playa Quemada überquert hatten und auf die Verbindung nach Femes zusteuerten, wurde der Untergrund grottenschlecht. Tiefgründige Lava verhinderte jedes Fahren, die nächsten 1,5 km und 130 hm war Schieben angesagt. Selbst das war aufgrund des tiefen, losen Sandes, versehen mit der nötigen Prise Wind kein Zuckerlecken.
Endlich wieder auf der festen Straße erreichten wir bald Femes. Hier, im Windschatten der Kirche bot sich ein beeindruckender Blick auf die Südküste um Playa Blanca mit dem gegenüber liegenden
Fuerteventura und der vorgelagerten Insel Lobos. Im örtlichen Käseladen gab es leckeren hausgemachten Ziegenkäse und Wein vom Bauern aus Femes. Die Erzeuger waren anwesend, und nach der obligatorischen Kostprobe deckten wir uns mit den Köstlichkeiten ein.
Aufgrund des fast in Orkanstärke wehenden Windes entschieden wir uns nicht nach Playa Blanca zu fahren (das hätte eine zusätzliche Rückfahrt von ca. 20 km bei Gegenwind in Orkanstärke bedeuted) und rauschten über Las Breñas hinuter ins Tal. Selbst für die 5 km und 130 hm nach Yaiza brauchten wir bei dem mörderischen Gegenwind, der uns manchmal schlicht vom Weg pustete, geschlagene 50 Minuten.
Heute hatten wir uns Uga als Einkehr ausgewählt. Das war das Beste bisher, typisch kanarische Küche vom Feinsten bei einer äußerst liebenswürdigen Bedienung und sehr moderaten Preisen.
In Orten abseits vom Massentourismus erlebt man freundliche Menschen, bei denen man noch das Gefühl des Gastes hat. Schade, dass die Gaststätte so weit von unserer Unterkunft liegt, in den Touristenmeilen haben wir uns bisher eine Einkehr verkniffen.
Der Weg zurück nach Puerto del Carmen wäre ein Klacks, aber bei diesem Sturm war es nochmal eine Herausforderung. Wir hatten Schwierigkeiten, uns auf der stark befahrenen LZ 2 halbweg geradlinig auf dem Rad zu halten. Also ging es ab dem Abzweig Playa Quemada wieder auf die ungeliebten Pisten, und nach einigen Mühen waren wir wieder am Ziel in userer Bungalow-Anlage.
25.03.14 – tempestad hasta huracán (Sturm bis Orkan)
Radfahrtechnisch
gibt es heute nicht viel zu berichten. Die gen Nord beginnende Tour ins Zentrum der Insel wurde nach zwei km abgebrochen. Der in Orkanstärke wehende Wind ließ ein Fahren kaum noch zu. Wir kehrten um und jeder gestaltete den Tag nach eigenen Wünschen.
26.03.14 – Wind, Wind, Wind
Wie schon gestern haben wir immer noch Sturm mit Orkanböen, lt. örtlicher Wettervorhersage noch leicht stärker als gestern. Also wird sich der Tag ähnlich gestalten. Schade, eigentlich wollten wir radeln.
27.03.14 – In das Zentrum der Insel
Nachdem es nun zwei
Tage trotz wolkenlosem Himmel so gestürmt hat, dass man in exponierten Lagen selbst ohne Fahrrad Schwierigkeiten hatte, gegen den Wind anzukommen, haben wir heute wieder eine Tour versucht. Die Palmen bogen sich nicht mehr ganz so sehr, dafür war das schöne Wetter weg, und der Himmel zeigte sich in schlichtem Grau. Aber das wissen wir ja bereits, Regen ist eher selten und meist lockert es schnell wieder auf. So kam es dann gegen Mittag auch.
Heute ging es in das Zentrum der Insel. Zuerst nahmen wir die recht passable Piste gleich hinter unserer Wohnanlage "Hyde Park Lane", dann wechselten wir kurz vor Tias auf die Straße, da die Piste hier sehr steil wird und wir so dem Schieben vorbeugten.
Wir hatten diesmal schöne Nebenstraßen durch das landwirtschaftlich geprägte Gebiet gewählt, kleine Pisten, gerade eben noch geteert, aber fast frei vom motorisierten Verkehr. Kurz hinter Tias grüßten imposante Vulkanhügel, der "La Montañeda" und der "Montaña Tersa" zur linken und der "Montaña Blanca" zur rechten Seite. Danach begann das Weinbaugebiet von La Geria mit seinen berühmten halbkreisförmigen Mäuerchen. Aufgrund des immer noch stürmischen Windes und des noch wechselhaften Wetters, entschieden wir uns für die kurze Variante und fuhren auf kleinen Wegen und Pisten durch diese reizvolle Landschaft bis zum
"Monumento al Campensino", das von dem verstorbenen Künstler César Manrique aus Lanzarote als Anerkennung für die harte Arbeit der Bauern hier auf der Insel errichtet wurde.
Das nächste Ziel war San Bartolomé. Auf unserer Tour nach Teguise/Guatiza waren wir schon einmal an dem schönen Marktplatz in San Bartolomé und hatten aber keine Zeit, in dem netten Lokal einzukehren. Heute nahmen wir sie uns und ließen uns mit frischem Cerveza und Gambas al Ajillo gut gehen. Inzwischen hatten wir auch wieder strahlend blauen Himmel, und somit war die Rückfahrt zu unserer Unterkunft dank Rückenwind und Gefälle ein Zuckerlecken.
Zusammenfassung
Wie es schon in der Einladung stand.
Lanzarote ist wahrlich außergewöhnlich, eine Insel der Extreme. Auf kaum einem anderen Fleck der Erde ist es so unwirklich wie auf Lanzarote. Hier wurden schon Science Fiction Filme gedreht, wie der "Planet der Affen", die Mondlandefähre wurde erprobt, hier ist das größte zusammenhängende Vulkangebiet der Welt, und jede Menge Wind.
Neben diesen Naturextremen gibt es aber auch das Extrem des Tourismus. Lanzarote hat bei 140.000 Einwohnern 70.000 Touristenbetten und täglich halten sich im Schnitt ca. 40.000
Touristen auf der Insel auf. Es wird alles dem Tourismus untergeordnet. Einmalig schöne Natur wird rücksichtslos verbaut und korrupte Politiker setzen sich einfach über Vorschriften und Baustopps hinweg.
Ob RoRadln nochmal eine Reise dorthin anbietet, wird sich zeigen, wahrscheinlich aber nicht mehr in einen der reinen Touristenorte. Das werden wir nicht mehr unterstützen. Im Landesinneren bei liebenswerten Menschen zu wohnen, so wie wir sie auf unseren Radtouren kennen gelernt haben, möchten wir hier jedoch nicht ausschließen.
Kurt & Uschi
im März 2014
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