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erstellt von Franz am 03.04.2014 / letzte Änderung am 27.05.2024
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Am 18.3.2014 machten wir uns auf den Weg, die Kanareninsel Lanzarote mit dem Fahrrad zu erkunden.
Eigentlich sollten wir zu sechst sein, aber zwei
Teilnehmer verabschiedeten sich bereits während der Planungszeit wegen eines Unfalls und ein weiterer am Tag der Abreise wegen Krankheit. So waren wir nur noch zu dritt: Kurt, Uschi und ich.
Nach der Ankunft in Puerto del Carmen holten wir noch am selben Tag unsere Fahrräder, drei hochwertige Mountainbikes, beim Verleihgeschäft ab und machten am Abend beim Essen in einem Fischrestaurant am Strand auch gleich die erste wertvolle Erfahrung, nämlich genau diese Art von Restaurants in Zukunft zu meiden. Diese Miniportion von Fisch für 18 Euro werde ich so schnell nicht vergessen.
Am nächsten
Tag ging es dann los mit der ersten Tour. Kurt hatte die Strecken schon zuhause sehr detailliert geplant und vorbereitet. Nach den ersten paar Metern merkten wir schnell, mit welchen Herausforderungen wir es in den nächsten Tagen zu tun bekommen würden. Der Wind war, wie vom Wetterbericht vorhergesagt, ein Sturm, selbst in den Ortsdurchfahrten war fast kein Kilometer ebene Strasse zu finden und die exakten Streckenplanungen wurden immer wieder durch ein Gewirr von Einbahnstrassen entgegen unserer Richtung zunichte gemacht. Ausserhalb der Ortschaften wurde uns schnell klar, dass sich Feldwege im Chiemgau doch etwas von den Schotterpisten
auf Lanzarote unterscheiden. Diese Pisten waren entweder mit scharfkantigen Lavabrocken übersät oder mit feinem, manchmal zehn Zentimeter dickem Lavasand bedeckt oder mit einer Mischung aus beidem. Wenn dann noch eine anständige Steigung dazukam, blieb nur noch Schieben. Obwohl ich zuhause ein überzeugter Treckingradfahrer bin, lernte ich hier schnell die Vorzüge eines guten Mountainbikes kennen und schätzen. Manchmal war ich selber überrascht, was damit alles möglich ist.
Aber wegen der paar widrigen Umstände aufgeben, war nicht drin, jedenfalls jetzt noch nicht. So erkundeten wir in den folgenden Tagen die schönsten Ecken von Lanzarote. Wir fuhren in die Gegend von Timanfaya, besuchten den wunderbaren
Kaktusgarten "Jardin de Cactus" und kamen nach El Golfo, alles Touren zwischen 50 und 75 km und 100 bis 1200 Höhenmetern. Dabei konnten wir die manchmal trostlose, aber immer faszinierende Landschaft aus Vulkankratern, endlosen Lavafeldern und vom Menschen kultivierte Bereiche ausgiebig inhalieren. Unterwegs kehrten wir natürlich regelmässig ein, allerdings suchten wir nach der Erfahrung am ersten Tag eher die Lokale auf, die auch von Einheimischen besucht werden. Dabei lernten wir richtig nette Restaurants mit gutem Essen und freundlichen Angestellten kennen und speziell Kurt konnte dabei seine Spanischkenntnisse ausprobieren. Wir bekamen immer, was wir bestellen wollten! Den Abend verbrachten wir meist auf unserer Terasse mit vorher eingekauften Kleinigkeiten und ein paar Flaschen Rotwein.
Da sich durch die Touren unsere Muskeln langsam bemerkbar machten, leihten wir uns am vierten Tag ein Auto
und machten einen Ausflug in den Norden der Insel. Dieser Teil ist deutlich grüner und wir hatten vom "Mirador del Rio" einen sagenhaften Ausblick auf die Nachbarinsel La Graciosa. Auf dem Rückweg legten wir einen Zwischenstopp ein und besichtigten die "Cueva de los Verdes", ein durch einen Vulkanausbruch entstandener Höhlenkomplex.
Der Wind wurde stärker und so beschlossen wir, am nächsten Tag nur einen kurzen Trip mit dem Fahrrad in die Hauptstadt Arrecife zu machen. Sogar hier fanden wir etwas abseits der Hotels und Touristen ein kleines Fischlokal, in dem wir günstig ein gutes Essen bekamen.
Am nächsten Tag wollten wir es wieder wissen. Wir fuhren bzw. schoben auf Teerstrassen und den inzwischen bekannten
Schotterpisten Richtung Femes. Auf einem steilen Wegstück war der Untergrund so sandig und rutschig, dass man nicht einmal richtig schieben konnte. Aber die Aussicht von Femes auf die Küste war die Mühe wert und ausserdem fanden wir hier einen schönen Rastplatz im Windschatten. Uschi und Kurt deckten sich mit lokalem Ziegenkäse und Wein ein und dann ging es weiter, vorerst schön bergab. Aber jeden Berg, den man hinunterfährt, muss man irgendwann auch wieder hinauffahren.
Diese Rückfahrt war dann richtig zermürbend. Für eine Strecke von 5 km und 130 Höhenmetern brauchten wir wegen dem penetranten Gegenwind sogar auf einer Teerstrasse 50 Minuten. Zum Glück wurden wir nach dem Anstieg in Uga mit einem vorzüglichen Essen belohnt.
Am folgenden Tag hatte der Wind noch mal eins draufgelegt. Wir starteten zwar eine Tour, kehrten aber nach kurzer Zeit um, weil wir einfach nicht mehr vorwärts kamen. Da die Stimmung im Team darunter dann doch etwas litt, trennten wir uns und ich fuhr anschliessend mit dem Linienbus nach "Playa Blanca". Hier war richtiger Touristenrummel mit zugebauten Küsten und reihenweise Hotels. Am Nachmittag war ich wieder zurück und den Abend verbrachten wir in gewohnter Weise mit Rotwein usw…
Zum Glück ist Busfahren äußerst günstig, denn Tags darauf war an Radfahren immer noch nicht zu denken und so nahm ich wieder den
Linienbus zu Hilfe, um nach Teguise zu gelangen. Dort gibt es eine alte Befestigungsanlage und die wollte ich mir anschauen. Da darin ein Piratenmuseum untergebracht ist, kostete der Eintritt 3 Euro, aber allein der Ausblick war die Ausgabe wert.
Am letzen Tag machte ich mit Kurt noch mal eine etwas kürzere Tour ins Landesinnere in die Gegend von San Bartolomé. Wir genossen zum letzten Mal Gambas al Ajillo und fuhren dann dank Rückenwind, ja, den hatten wir auch manchmal, zurück Richtung Puerto del Carmen.
Trotz der zahlreichen Hindernisse wie Sturm, schlechte Wege, einem aufgerissenen Reifen an meinem Fahrrad,
Meinungsverschiedenheiten zwischen Navi und Einbahnstrassen waren es wunderbare Tage auf Lanzarote. Nicht zuletzt dank der guten Planungen und dem gekonnten Umgang von Kurt mit dem Navi erreichten wir alle Ziele und nur schweren Herzens gab ich mein Fahrrad wieder zurück an den Verleiher. Zuhause werde ich zwar wieder mit meinem Treckingrad weiterfahren, aber der zumindest bei Rosenheimern bekannte "Erler Wind" aus dem Inntal kommt mir jetzt nur noch wie eine leichte Brise vor…
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