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erstellt von Franz am 24.09.2016 / letzte Änderung am 18.11.2020
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In unsererem diesjährigen Radlurlaub ins österreichische Weinviertel hatten wir auch wieder zwei Tage, an denen das Wetter nicht unbedingt zum Radfahren einlud.
Da ich ein unverbesserlicher Eisenbahnfan bin, nutzte ich einen dieser Tage für eine Fahrt von Laa an der Thaya nach Wien Hbf.
Zuerst fuhr ich mit dem Auto nach Laa an der Thaya, wo wir ein paar Tage zuvor auch schon mit dem Fahrrad waren. Nach dem Fahrkartenerwerb ging es mit den modernsten Nahverkehrstriebwagen, die die Öbb zu bieten hatten, nach Wien. Die Strecke führt zuerst durch abwechslungsreiches Hügelland nach Mistelbach und dann zunehmend flacher nach Wien. Zwei Stationen vor dem Hauptbahnhof wurde ich an Münchner Verhältnisse erinnert. Der Zug stand ungefähr 30 Minuten auf freier Strecke wegen eines Rettungseinsatzes im nächsten Bahnhof. Wenigstens war ich zum Vergnügen unterwegs und hatte somit keinen Zeitdruck.
In Wien Hbf angekommen, wollte ich mich zuerst nach der Rückfahrt erkundigen. Da ich noch kein stolzer Besitzer eines Smartphones bin, versuchte ich, auf altmodische Art mithilfe der ausgehängten Abfahrtspläne die Rückfahrmöglichkeiten zu erkunden. Aber ich fand keine Fahrt nach Laa an der Thaya. Schließlich fragte ich einen älteren Öbb-Auskunftsmitarbeiter am Bahnsteig. Auch er versuchte es erst an den Abfahrtsplänen, aber ebenso ohne Erfolg. Dann zückte er sein Smartphone, tippte eine Weile darauf herum, und schließlich holte er mit der Bemerkung, "so bin ich schneller", einen altmodischen kleinen Papierfahrplan aus seiner Tasche und konnte mir innerhalb 10 Sekunden die richtige Verbindung sagen. Mit der Gewissheit, jetzt zwei Stunden Zeit zu haben, schaute ich mir den neu gebauten Wiener Hauptbahnhof an, befriedigte meinen Hunger und begab mich schließlich zum passenden Bahnsteig für die Rückfahrt.
Mit 15 Minuten Verspätung kam der Zug dann auch. Diesmal war das Gefährt nicht mehr ganz so modern, aber das Obergeschoss der Doppelstockwagen bot eine bessere Rundumsicht auf die Landschaft. Die Rückfahrt zog sich dann doch etwas länger als geplant hin. Da die Strecke eingleisig ist und trotzdem auf einer Teiletappe eine hohe Zugdichte angeboten wird (15 Minuten Takt), sind Verspätungen aufgrund von Zugkreuzungen natürlich vorprogrammiert. Und so war es dann auch. Aus den anfänglichen 15 Minuten wurden bis Laa an der Thaya ungefähr 40 Minuten, aber mir konnte es ja egal sein. Die letzten Kilometer bis Herrnbaumgarten wurden dann wieder mit dem Auto zurückgelegt.
So konnte ich wieder einmal einem Hobby frönen, auf das die meisten Menschen mit mitleidigem Lächeln oder Unverständnis reagieren. Natürlich gibt es keine großen Unterschiede zwischen Bahnfahren in Österreich und Deutschland, aber eines fällt mir immer wieder auf, nämlich wie bequem und großzügig man in österreichischen Nahverkehrszügen auch als große Person wie ich sitzt im Vergleich zu modernen deutschen Nahverkehrsfahrzeugen. Wer einmal die zweieinhalb Stunden von Ulm nach München in einem modernen RE-Triebwagen zurückgelegt hat, weiß, was ich meine.
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