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erstellt von Franz am 02.06.2017 / letzte Änderung am 03.06.2017
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Auch bei unserer heurigen RoRadln-Reise ins Oltrepo hatte ich wieder die Gelegenheit für eine Tour mit der Eisenbahn.
Ich hatte schon lange vor, einmal mit der Tendabahn zu fahren. Diese Strecke führt durch unwegsames Gebirge mit Hilfe von zahllosen Tunnels und Brücken von Ventimiglia am Mittelmeer nach Cuneo und verläuft dabei auch teilweise über französisches Staatsgebiet. Immer wieder tauchen Einstellungsgerüchte auf, und das Zugangebot beschränkt sich auf nur mehr zwei Verbindungen pro Tag und Richtung.
Alle meine bisherigen
Planungen ab München oder Rosenheim scheiterten, denn wegen der langen Anreise wären zwei Übernachtungen notwendig gewesen, und das war mir zu umständlich und letztendlich auch zu teuer. So nah wie bei unserer Radreise sollte ich so schnell nicht mehr an diese Bahn herankommen, und deshalb nutzte ich diese einmalige Gelegenheit. Eigentlich wollte ich von Ventimiglia nach Cuneo fahren, aber dies war auch vom Oltrepo aus an einem Tag nicht möglich. Aber die andere Richtung erwies sich als machbar.
Als Start- und Zielpunkt wählte ich die nächste größere Stadt Pavia. Bis dahin fuhr ich mit dem Auto und parkte am Bahnhof. Nach dem Fahrkartenkauf am Automaten ging es los. Für die erste Etappe nach Milano Rogoredo benutzte ich einen Regionalzug ähnlich einer S-Bahn. Ab Milano erlebte ich das erste Highlight der Tour, nämlich die Fahrt mit dem Eurostar
Italia. Dieser beschleunigte hinter Milano auf 300 km/h und braucht für die Strecke nach Torino Porta Nuova nur 75 Minuten. Wenn auch der Fahrkomfort und die Laufruhe nicht ganz an unseren ICE3 heran reicht, ein Genuss war es trotzdem. In Turino hatte ich 45 Minuten Aufenthalt und dann ging es weiter mit einem Regionalzug nach Fossano. Dieser Zug hatte eine erstaunliche Länge von ca. 10 Wagen, fuhr aber nahezu leer durch die Landschaft. Mein zuerst gewählter Wagon entpuppte sich als fahrender Kühlschrank, sodass ich schnell in einen anderen wechselte, was bei der niedrigen Auslastung auch kein Problem war. In Fossano angekommen, gab es eine kleine Schrecksekunde, als die Tür nicht aufging. Ein kleiner Spurt durch den Wagon zur nächsten Tür löste das Problem im letzten Moment, bevor der Zug wieder abfuhr.
Der nächste Regionalzug für die Fahrt nach Cuneo wartete bereits auf dem Nachbargleis und nach ein paar Minuten ging es in einem modernen Elektrotriebwagen weiter.
In Cuneo hatte ich eigentlich vor, etwas zu essen, aber obwohl der Bahnhof aus einem riesigen Gebäude besteht, gibt es hier nicht die kleinste Möglichkeit, etwas zum Essen zu bekommen. Lediglich ein Getränkeautomat ist vorhanden, aber der verweigerte meine Euromünze. Zum Glück hatte ich vorgesorgt und eigenen Proviant dabei, aber etwas Warmes wäre mir schon lieber gewesen.
Nun begann
die Fahrt mir der Tendabahn, dem eigentlichen Ziel meiner Tour. Eingesetzt werden relativ moderne Dieseltriebwagen, die zwar ziemlich laut sind, was aber einem Fan wie mir nur zusätzliches Vergnügen bereitet. Bis Limone ging es noch ziemlich flott voran, aber dann wurde von Haltepunkt zu Haltepunkt die Strecke immer schlechter und die Fahrt immer langsamer. Teilweise schaukelten wir mit Schrittgeschwindigkeit über die maroden Schienen und auch die Bahnhofsgebäude boten einen traurigen Anblick mit abfallenden Putz und zugemauerten Fenstern.
Bei einem Halt gab es einen kleinen Zwischenfall. Ein italienischer Zivilpolizist stürmte mit mehreren uniformierten Kollegen den Zug und kontrollierte die Fahrgäste. Anscheinend passte ich nicht ins
Beuteschema der Truppe, denn sie interessierten sich weder für mich noch für meinen Ausweis. Zwei afrikanisch aussehende Mitreisende hatten dagegen weniger Glück. Sie wurden ausgiebig kontrolliert. Der eine hatte offensichtlich alles notwendige dabei, denn er durfte weiterreisen. Der zweite hatte keine "Dokumenti" und wurde energisch aus dem Zug befördert und festgehalten.
Nach dieser kleinen Einlage der italienischen Polizei ging unsere Fahrt mit etwas Verspätung weiter durch Tunnels und über Brücken Richtung Ventimiglia. Es ist wirklich beeindruckend, wie mit Hilfe von Kehrtunnels und abenteuerlichen Brücken zuerst Höhe gewonnen und anschließend wieder verloren wird, um
die teilweise wilde und unzugängliche Gebirgslandschaft zu bezwingen. Ab Breil-sur-Roya wurden die Gleise wieder besser und damit auch die Geschwindigkeit höher und schließlich erreichten wir Ventimiglia.
In diesem Bahnhof war einiges los. Laufend kommen Züge an oder fahren ab. Da er die Funktion eines Grenzbahnhofs zwischen Italien und Frankreich hat, wimmelt es hier nur so von Polizei beider Länder. Hier konnte ich endlich auch meinen Magen befriedigen, denn es gibt eine schöne Bahnhofsrestauration.
Nun begann die letzte Etappe meiner Tour. Leichtsinnigerweise wählte ich für die Rückfahrt nach Pavia einen Regionalzug anstelle eines
IC, weil damit die Wartezeit etwas kürzer wurde und ich außerdem etwas früher ankam. Kurz nach der Abfahrt bereute ich bereits die Entscheidung. Der Zug bestand aus Doppelstockwagen älterer Bauart. Diese hatten eine Laufruhe wie eine Achterbahn und die Klimaanlage machte einen solchen Lärm, daß Unterhaltungen grundsätzlich ausgeschlossen waren. Damit rumpelte ich fast vier Stunden lang zurück nach Pavia. Die Fahrt ging zwar an der Mittelmeerküste entlang, aber durch die zahlreichen und teilweise langen Tunnels war vom Meer die meiste Zeit nichts zu sehen. Um ca. 22:15 Uhr erreichte ich Pavia und der
Eisenbahnausflug war zu Ende.
Die Tendabahn ist fast 100 Kilometer lang und kostet 8,30 Euro, die Parkgebühren in Pavia dagegen betrugen 14 Euro und nach deren Begleichung konnte ich zwar hundemüde, aber auch vollkommen zufrieden die letzten Kilometer in unser Quartier zurücklegen.
Bleibt zu hoffen, dass diese großartige Ingenieurleistung nicht vollkommen verfällt. Für Wandertouristen ist die Bahn ideal und eine höhere Zugdichte könnte die Attraktivität zusätzlich steigern. Dazu sind allerdings in naher Zukunft zahlreiche Instandhaltungsmaßnahmen notwendig und etwas Werbung würde auch nicht schaden, ansonsten ist die Stilllegung nur noch eine Frage der Zeit.
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