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erstellt von Kurt am 08.07.2025 / letzte Änderung am 02.08.2025
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Von Kassel bis an die Nordsee und zurück
Inhaltsverzeichnis
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Früher sind wir mit der Bahn zum Start- und Endpunkt unserer Radreisen gefahren. Das machen wir nicht mehr, da
man in Fernzügen lange im Voraus buchen muss, um einen der wenigen Radplätze zu ergattern, oder im Nahverkehr x-mal umsteigen muss, Ankunft nicht immer gewiss. So fuhren wir mit dem PKW nach Kassel, was so ziemlich in der Mitte von Deutschland liegt. Das ist für uns der optimale Ort für Radreisen in jede Himmelsrichtung. Zudem können wir in Kassel unser Auto problemlos abstellen.
Von
unserem Ausgangspunkt in Kassel-Kirchditmold verließen wir die Stadt auf ruhigen Wegen über Harleshausen, den Jungfernkopf (die erste knackige Steigung) und Heckershausen in Richtung Calden. Auf diesem Weg kommt man auch zum sehenswerten Schloss Wilhelmsthal, das wir bei unserer letzten Reise in Kassel besuchten, diesmal aber unten im Tal liegen ließen. Nach einigen Auf und Ab durch das hessische Bergland erreichten wir in Liebenau den Diemel-Radweg. Liebenau selbst ist eine nette Kleinstadt, der wir im Schnelldurchgang einen Besuch abstatteten.
Kurz danach, also bereits auf dem Diemel-Radweg zeigte sich ein imposanter Berg mit einer Burg in etwa zwei Kilometer Entfernung (Luftlinie). Es war der Desenberg, die markanteste Erhebung der Warburger Börde und von der gleichnamigen Burgruine Desenberg gekrönt. Bald darauf wurde die Diemel von einer interessanten Bogenbrücke überspannt. Sie wird von den Bahn genutzt.
In Warburg haben wir bereits bei einer anderen Radreise Station gemacht und ließen die Stadt somit aus.
Schöne Alleen begleitenden uns nun nach Scherfede. Diesen Ort hatten wir bei Planung der Reise als möglichen Übernachtungsort auserkoren, weil danach ein langer und zäher Anstieg folgte und dann erst wieder Ortschaften mit Übernachtungsmöglichkeit in ca. 80 Kilometer Entfernung (gerechnet ab dem Ausgangsort in Kassel) folgen würden. Das trauten wir unseren Akkus bei der Beladung der Räder nicht zu. Bei der Ankunft in Scherfede erschien uns allerdings dieser Ort als ziemlich trostlos, und wir radelten weiter. Und zudem hatten die Akkus noch genügend Power.
Um den zähen Anstieg zu schaffen, schalteten wir trotzdem so wenig wie möglich zu und erreichten unser Ziel in Etteln nach 85 Kilometer und rund 700 Höhenmetern. Das ist normalerweise nicht viel, aber mit Reisegepäck für mehrere Wochen zehrt das schon an der Batterie.
Bevor wir Etteln erreichten, fiel uns auf, dass die Altenau (Fluss) sehr schön renaturiert war und es große Erdwälle als Rückhaltebecken gab. Dies war der Heinrichsflut zu schulden, bei der in Etteln an der Altenau allein sieben Menschen starben.
Tagesetappe: 85 Kilometer / 704 Höhenmeter
18.06.25 - Etteln - Wiedenbrück
Am Ortsrand
von Etteln passierten wir die Kluskapelle zur Hl. Lucia, und das romantische Tal der Altenau vom Vortage setzte sich fort. Dem folgten wir immer entlang des Flusses bis zu deren Mündung in die Alme, einem linken Nebenfluss der Lippe. Ab jetzt war die Landschaft brettlflach, was sich im weiteren Verlauf der gesamten Reise bis zurück etwa nach Alfeld an der Leine so fortsetzte.
In der gemütlichen Innenstadt von Delbrück legten wir eine Kaffeepause ein, bevor wir nach weiteren fünf Kilometern den
Emsradweg erreichten. Der nächste sehenswerte Ort am Emsradweg ist Rietberg, die Stadt der schönen Giebel. Diese besuchten wir bei unserer Radreise in 2024, deshalb fuhren wir diesmal ohne Besichtigung weiter, lediglich bei der St.-Johannes-Nepomuk-Kapelle, die von einer historischen und öffentlich zugänglichen Grünanlage umgeben ist, legten wir einen kurzen Stopp ein.
Danach folgte ein sehr schöner, schattiger Weg entlang der Ems mit dem Emssee.
Dann
erreichten wir Wiedenbrück, wo wir heute unsere Zelte aufschlugen.
Die Stadt begeisterte uns durch die malerische Innenstadt mit den Dielenhäuser in der Langen Straße, dem Denkmal Neue Mühle, dem Emssee, dem Gelände der Landesgartenschau von 1988, usw.
Überall in der Stadt fanden sich Figuren von Alltagsmenschen von Christel Lechner. Uschi hat sich zu einer Gruppe von gut gekleideten Herren gesellt.
Tagesetappe: 54 Kilometer / 118 Höhenmeter
19.06.25 - Wiedenbrück - Telgte
Rheda-Wiedenbrück
ist die zweitgrößte Stadt im Kreis Gütersloh. Sie entstand 1970 im Zuge der Kommunalreform durch Zusammenlegung der Städte Rheda und Wiedenbrück und umliegender Gemeinden. Die Ems durchfließt dann das Gelände der Landesgartenschau von 1988, verbindet das Wiedenbrücker Zentrum mit dem Zentrum von Rheda. Es war sehr entspannt, durch diese anmutige Landschaft zu radeln. Wir besichtigten die Außenanlagen
von Schloss Rheda, eine ehemalige Wasserburg.
Weiter ging es zum Kloster Marienfeld. Es ist eine ehemalige Zisterzienserabtei und liegt im Harsewinkeler Stadtteil Marienfeld. Heute war Fronleichnam, und da die Prozession unmittelbar bevorstand und uns so im Weiterkommen gehindert hätte, ließen wir es bei einer kurzen Besichtigung von außen. Das nächste Ziel war Harsewinkel, bekannt durch die Firma Claas als Hersteller von Mähdreschern und Landmaschinen.
Diese
Gegend scheint gute Voraussetzungen für Kartoffeln zu liefern. Wir fuhren durch große und weiträumige Felder, wo die begehrte Knolle angebaut wurde.
Auf dem belebten Marktplatz der Kreisstadt Warendorf (KfZ: WAF) legten wir unsere Mittagspause ein. Danach absolvierten wir eine kurze Besichtigung der Altstadt im Schnelldurchgang, denn unser heutiges Ziel war Telgte.
In
dieser Stadt an der Ems wurden wir vor der Emsbrücke in die Innenstadt vom Schwimmreifenmann begrüßt. Er gehört zu dem Ensemble von Figuren, die schon am Vortag in Wiedenbrück erwähnt wurden.
Am Markt gab es viele Lokale, einen schattigen Platz bei diesen sommerlichen Temperaturen bot allerdings nur der Biergarten Zum wilden Mann.
Tagesetappe: 72 Kilometer / 115 Höhenmeter
20.06.25 - Telgte - Salzbergen
Ca.
fünf Kilometer nach Telgte fuhren wir durch das Naturschutzgebiet Haus Langen - Erlebte Emslandschaft. Der Auenbereich ist von dem naturnahen Flussbereich der Bever geprägt, einem ca. 30 Kilometer langen Gewässer, das hier in die Ems mündet. Nach weiteren zehn Kilometern wartete der Dortmund-Ems-Kanal auf uns, der hier die noch relativ kleine Ems überquert. Im Verlauf der Reise werden wir noch öfter an den Kanal kommen, der erst kurz vor Papenburg endgültig in die Ems mündet. Der Kanal wird z.Zt.
an dieser Stelle umgebaut, er soll von der Kapazität her vergrößert werden.
Der Emsradweg führt zwar in der groben Richtung entlang des Flusses. Die Wegführung ist jedoch nicht immer entlang der Ems, so wie etwa der Innradweg zwischen Kufstein und Rosenheim oder der Donauradweg in großen Teilen, sondern in Wellenlinien. Mal überquerten wir sie von Ost nach West, dann ging es einige Kilometer parallel zum Fluss, um sie danach
wieder von West nach Ost zu queren und dann wieder von vorn. Dabei stellten wir fest, dass sich in Sachen Renaturierung was tut. Immer wieder waren Stellen zu erkennen, die den unnatürlichen Flusslauf unterbrachen.
Kurz hinter dem Ort Greven wartete das Freilichtmuseum Sachsenhof auf uns. Es ist eine Rekonstruktion einer 1200 Jahre alten frühmittelalterlichen sächsischen Hofanlage mit Anbauversuchen von Kulturpflanzen und Ackerwildkräutern aus jener Zeit.
Eigentlich
wollten wir in Rheine übernachten. Jedoch war aufgrund des verlängerten Wochenendes (Feiertag Fronleichnam) dort nichts zu bekommen. Also kehrten wir hier in dem netten Lokal Roter Hirsch am Marktplatz ein, absolvierten die obligatorische Stadtrundfahrt im Schnelldurchgang und machten uns auf den Weg weiter nach Salzbergen, wo wir die letzte Unterkunft in dem dortigen Hotel ergattert hatten.
Auf der Fahrt dorthin schauten wir uns das Kloster Bentlage an. Es war ein Kreuzherrenkloster, bestand von 1437 bis 1803 und liegt am Ufer der Ems, nördlich der Stadt Rheine.
Jetzt
waren wir in Niedersachsen, die Radwegweiser haben von rot auf grün gewechselt und viele Straßen sind, obwohl geteert, von der Oberfläche her sehr uneben und nicht angenehm zu fahren. Allerdings waren die Rastplätze hier Spitze. Am Rastplatz Alte Sole gab es einen Salzbrocken zu bewundern, die Toilettenhäuschen waren nicht schmuddelig und der überdachte Rastplatz eine Augenweide. Dann kamen wir nach Salzbergen am Ems-Radweg. Mit dem Hotel hatten wir eine gute Wahl getroffen, wo wir auch am Abend vorzüglich speisen konnten.
Tagesetappe: 82 Kilometer / 175 Höhenmeter
21.06.25 - Salzbergen - Lingen-Holthausen
Wie am
Tag zuvor mit Salzbergen anstelle von Rheine war es an diesem Samstag in Lingen. Hier war 1050-Jahrfeier mit Konzerten in der Stadt und somit keine Unterkunft zu kriegen. Wir wohnten im nahe gelegenen Holthausen im Ludwig-Windthorst-Haus, einem von der Kirche getragenen Komplex von Unterkünften und Veranstaltungsräumen. Das Gelände mit verschieden Häusern im hier üblichen Baustil war idyllisch angelegt. Leider wussten das auch unzählige Stechmücken.
Nun aber von Anfang an:
Da
an diesem Tag nicht so viele Kilometer zu bewältigen waren, nahmen wir den einen oder anderen Abstecher gern mit. Wir folgten dem Weg zur Emsfähre nach Listrup. Die war aber außer Betrieb und dümpelte so vor sich hin. Nicht viel weiter erreichten wir wieder einen vorbildlichen Rastplatz, diesmal gegründet von einer privaten Initiative. Ein Vereinsmitglied auf seiner täglichen Kontrollfahrt kam gerade vorbei, und so kamen wir ins Gespräch. Er berichtete von einem weiteren Vereinsprojekt am Ortsrand von Emsbüren.
Wir besichtigten die Gedenkstätte mit dem Namen: Nie wieder Krieg. Der Besuch der Stätte machte nachdenklich, gerade im Hinblick auf die wieder erstarkenden rechten Kräfte. Das sollten sich die Sympathisanten von AgD und Konsorten zu Gemüte führen. Aber wahrscheinlich sind die schon so abgestumpft in ihrer Blase, dass sie das alles für Fake halten.
Führte nahe Münster noch der Dortmund-Ems-Kanal als Schiffsbrücke hoch über die hier noch mickrige Ems, flossen ab der Schleuse Gleese (kurz vor Lingen) die Ems und der Kanal zusammen,
trennen sich jedoch immer wieder mal. Erst in Papenburg endet der Kanal. Durch die verschlungene Wegführung des Ems-Radweges war man sich somit nicht sicher, an welchem Gewässer man sich gerade befand.
Der Stadt Lingen statteten wir einen Besuch ab. Aufgrund der 1050-Jahrfeier waren viele Objekte der Innenstadt mit Verpflegungsständen und Konzertvorbereitungen verbaut. Ebenfalls war es bereits sehr lebhaft in der Stadt, dass wir alsbald wieder das Weite suchten und uns unserer Unterkunft in Holthausen zuwandten.
Tagesetappe: 46 Kilometer / 56 Höhenmeter
22.06.25 - Lingen-Holthausen - Lathen
Zuerst
umrundeten wir zum Teil das Speicherbecken Geeste mit einem Umfang von fast sechs Kilometer und einem Volumen von 4,5 Mio Kubikmetern.
Heute ließen wir uns von einem Anwohner das Knotensystem erklären, das auf Radwegen in NRW als auch Niedersachsen üblich ist. An allen Radwegkreuzungen gibt es einen Knotenpunkt, der durch eine zweistellige Nummer gekennzeichnet ist. Fährt man z.B. vom Knotenpunkt 69 Richtung Knotenpunkt
76, hat der Radweg die Nummer 69-76. So kann man sich auf der Karte einfach eine Tour zusammenstellen: 69-76-21-55 ..., eine simple Art der Navigation ohne GPS.
Nach 30 Kilometern erreichten wir die Kreisstadt Meppen, die im Zentrum des Emslandes an der Mündung der Hase in die Ems liegt. Etwa einen halben Kilometer vor ihrer Mündung in die Ems nimmt die Hase den Dortmund-Ems-Kanal auf, der südlich von Meppen in einem künstlich erstellten Gewässerbett verläuft. Nördlich von Meppen wird für den Dortmund-Ems-Kanal größtenteils der
ausgebaute Flusslauf der Ems genutzt. Dann statteten wir der Hase-Hubbrücke einen Besuch ab, die als technisches Denkmal in Meppen gilt und setzten unsere Fahrt gen Norden fort.
Nach weiteren 20 Kilometern kamen wir nach Haren. Schilder wiesen auf ein Schiffsmuseum hin, und wir folgten den Wegweisern. Die ausgestellten Objekte waren sehenswert. Wir haben uns jedoch nur mit den Außenanlagen begnügt, die allein schon viel boten.
Da sich der Himmel schon langsam verdunkelte und es in der Ferne grollte (das schöne Wetter der letzten Woche ging zu Ende) setzten wir unsere Fahrt nach Lathen fort, wo wir heute Quartier bezogen.
Zwischen Lathen und Dörpen war einst die Versuchsstrecke der Magnet-Schwebebahn Transrapid. Einer in Deutschland entwickelten Spitzentechnologie wurde von einer zögerlichen deutschen Politik ein jähes Ende gesetzt. Ich hatte zu meiner beruflichen Zeit bei Thyssen die Gelegenheit, mit dem
Transrapid in Lathen zu fahren. Es war wie Fliegen, nur nicht so hoch. Heute geht das nicht mehr. Es gibt noch einen Förderverein, der sich dem Transrapid widmet und weiterhin die Technik zeigt, die leider zu Grabe getragen wurde - schade. Aber Deutschland ist ja bekannt dafür, Hochtechnologie zu entwickeln, um sie sich dann vom Ausland abnehmen zu lassen und von dort wieder einzukaufen (siehe Solartechnik).
Tagesetappe: 75 Kilometer / 129 Höhenmeter
Wie
es sich schon gestern ankündigte, war heute Schluss mit dem schönen Wetter, der Himmel zeigte sich grau in grau. Wir überlegten: bleiben wir einen Tag länger in der netten Wohnung oder fahren wir weiter. Wir entschieden uns für "weiter", da Lathen wenig bot, um dort eine weitere Nacht zu bleiben.
Eigentlich wollten wir heute bis nach Leer fahren, was einer Tagesetappe von 65 Kilometer entsprach. Aber daraus wurde nichts. Immer wieder peitschte der Wind heftige Regenschauern heran, sodass wir zu längeren Pause gezwungen waren. Da wurde es schwer, das
Tagesziel zu erreichen und wir entschieden uns für Papenburg.
Die Stadt ist eine Augenweide. Gerade das Stadtzentrum, durchzogen vom Hauptkanal, lädt geradezu zum Verweilen ein. Eine weitere Attraktion ist die Meyerwerft. Um diese allerdings zu besuchen, muss man sich vorher online anmelden, um ein Besucherticket zu bekommen. Das war kurzfristig leider nicht möglich.
Tagesetappe: 35 Kilometer / 32 Höhenmeter
Heute
stand die letzte Etappe auf dem Emsradweg an, von Papenburg bis zum Ende am Außenhafen in Emden.
Von unserer Unterkunft im Zentrum von Papenburg bis zur Meyerwerft waren es fünf Kilometer. Eigentlich wäre hier ein Hinweis hilfreich gewesen, nicht auf die linke Seite der Ems zu fahren, wollte man denn nach Leer. Unser Track des Original-Emsradweges zeigte jedoch auf die linke und wie sich alsbald herausstellte die "falsche" Seite der Ems. Denn die nächste Brücke, die den Emsradweg wieder auf die andere Seite bringt ist schon seit 2005, also
20 Jahre gesperrt.
Als wir die gesperrte Brücke erreichten, mussten wir zwangsläufig auf der linken Seite bleiben. Nach 20 Kilometern erreichten wir wieder unseren Radweg, verpassten aber wegen der Umleitung den Abzweig nach Leer. So blieben wir bis zur Fähre in Dizum auf der linken Seite, wo wir noch ca. 17 Kilometer wegen einer weiteren Sperrung entlang der Straße, aber auf einem getrennten Radweg, anstelle hinter dem Deich fahren mussten.
Leer
ließen wir somit ungewollt aus - schade. Die Fähre über die Emsmündung in den Dollart fuhr zu jeder vollen Stunde und war pünktlich. Da wir etwas früher dort waren, bot sich noch ein kleiner Rundgang in dem idyllischen kleinen Hafen an.
Die Fahrt von ca. drei Kilometern über das Mündungsgebiet der Ems in den Dollart war angenehm. In Petkum angekommen, hatte sich der schon während der Fahrt kräftige Wind zu einem Sturm gesteigert, der die restlichen Kilometer bis zum Endpunkt
der Tour nicht leicht werden ließ. Auf den letzten vier Kilometern bis zur Touristinfo am Otto Huus setzte dann auch noch Regen ein, der uns noch den ganzen Abend beglückte. Die von der Touristinfo gefundene Unterkunft in einer Ferienwohnung nahmen wir dann für die nächsten drei Tage, weil danach die Wetteraussicht für die Weiterfahrt wieder besser sein sollte.
Tagesetappe: 60 Kilometer / 85 Höhenmeter
Diese
zwei Tage verbrachten wir wegen schlechtem Wetter in Emden und unternahmen dort Besichtigungen ohne Rad, wie eine Stadtbesichtigung, eine Hafenrundfahrt, das Otto Huus, oder der mehrmalige Besuch vom Emder Heringslogger, wo es täglich frische Fischspezialitäten vom Feinsten gab.
27.06.25 - Emden - DB - Neustadt am Rübenberge
Auch
heute Morgen regnete es in Emden und die Aussichten für die nächsten Tage versprachen keine wesentliche Besserung. Somit entschieden wir uns, mit dem Zug nach Hannover zu fahren. In Neustadt am Rübenberge in der Nähe vom Steinhuder Meer fanden wir ein Hotel und drehten dort eine kleine Runde von 23,3 Kilometern. Das Wetter war hier besser und deutlich wärmer.
Tagesetappe: 23 Kilometer / 25 Höhenmeter
28.06.25 - Neustadt am Rübenberge - Laatzen
Heute
Morgen war es seit Lathen erstmal wieder sommerlich warm, so wie zum Start unserer Reise in Kassel. Auf diesem Teil der Radreise folgten wir nun bis Göttingen dem Leineradweg. Zuerst hatten wir noch einen Schlenker über das Steinhuder Meer eingebaut.
Auf abenteuerlichen Wegen durch die Wildnis ging es los. Wäre der Weg nicht als Radweg ausgeschildert gewesen, hätten wir so unsere Zweifel gehabt. Am Steinhuder Meer und besonders in Steinhude war es sehr touristisch,
also nix für uns, und wir verkrümelten uns schnell wieder.
Schilder am Wegesrand wiesen auf Schloss Bokeloh hin, was aber bei näherer Betrachtung den Abstecher nicht wert war. Schon von Weitem über dem Horizont des Steinhuder Meeres war uns ein schwarz-weißer Berg aufgefallen. Es ist einer der vielen Abraumberge in Deutschland von der Firma Kali & Salz (kurz K&S). Der nicht brauchbare Dreck wird somit der Landschaft überlassen.
Wunstorf
streiften wir auf sehr angenehmen Wegen entlang der Westaue, einem Nebenfluss der Leine. Nach vier Kilometer entlang der Haupt Bahnstrecke Richtung Hannover
kamen wir bei Dedensen/Gümmer an den Mittellandkanal, dem wir nun sechs Kilometer folgten. Jetzt bei der Brücke des Mittellandkanals über die Leine kamen wir auf den Leine-Heide-Radweg, der in den nächsten Tagen unser Begleiter werden sollte.
Hier stand ein Schild: Hunde immer an der Leine führen! Ob das den Tieren wohl Spaß macht, immer am Fluss Leine entlang zu laufen?
Vor Hannover bekamen wir nicht viel mit (wir wollten aber auch nicht in die Stadt), da ein sehr angenehmer Radweg immer entlang der Leine durch die Stadt führte. Auf dem Maschsee fand eine Ruderregatta statt, der wir ein wenig beiwohnten und ein Gilde-Bier aus Hannover testeten.
Nach dem großen Maschsee mitten in Hannover begleiteten uns sehr viele Teiche in den Auen der Leine, wie der Große Ricklinger Teich, der Dreiecks-Teich, der Sieben-Meter-Teich, der Flohteich, der Schwarze Teich usw.
In Laatzen hatten wir heute unsere Unterkunft gewählt. Wenn keine Messe ist, gibt es diese sehr guten Hotels zu sehr moderaten Preisen (da kann manches Dorfgasthaus nicht mithalten). Allerdings ist die Gastronomie im Umfeld total überteuert.
Tagesetappe: 65 Kilometer / 95 Höhenmeter
Heute
ging es an der Leine weiter, wie es gestern aufgehört hatte. Neben schattigen Wegen entlang alter Weiden und idyllische Brücken säumten auf den nächsten zwanzig Kilometern wieder viele Teiche und Seen den Weg. Besonders beeindruckend war der Große Koldinger See. Durch dieses Gewirr von Teichen führte der Leine-Radweg hindurch, andere kleinere Seen waren nur durch das Navi auszumachen, da die Sicht auf sie durch Bäume und Büsche verdeckt war.
Es
sind an vom Wind exponierten Stellen viele Windräder zu sehen. Da hat das seit Jahren von der SPD regierte Niedersachsen früher als die CSU in Bayern erkannt, dass der Strom nicht aus der Steckdose kommt.
Der Leine-Radweg führte hier immer wieder recht idyllisch, teils angenehm schattig an der Leine entlang. Auch ging es hier mehr oder weniger parallel entlang des Flusses dahin und nicht so wellenförmig, wie weiter oben bei der Ems beschrieben.
Bei
Nordstemmen hatte man einen schönen rückwärtigen Blick auf des
Schloss Marienburg. Es ist eine ehemalige Sommerresidenz der Könige von Hannover in Pattensen. Die neugotische Vierflügelanlage wurde 1858 bis 1869 im Auftrag von Georg V. erbaut. Hervorzuheben sind der Rittersaal, die Bibliothek und die Kapelle. Aufgrund von Sanierungsarbeiten ist es seit 2023 bis auf Weiteres geschlossen.
In Brüggen gab es wieder ein Schloss, wenn auch längst nicht so grandios wie Marienburg. Dieses war leider nicht zugänglich - privat und mit Überwachunskameras versehen.
Jetzt
wurde es langsam hügliger und Alfeld (KfZ: ALF) an der Leine war nicht mehr weit. Alfeld hat eine historische Innenstadt mit sehenswertem Fachwerk und gehört zur Deutschen Fachwerkstraße. Die ist in acht Regionalstrecken unterteilt, Alfeld gehört zu: Von der Elbe zum Harz. Einbeck, unser heutiges Tagesziel gehört ebenfalls dazu und war die wohl schönste Fachwerkstadt dieser Reise. Einbeck ist Bierkennern bekannt für sein gutes Bier bekannt und wirbt mit dem Slogan: ohne Einbeck gäbs kein Bock-Bier.
Tagesetappe: 82 Kilometer / 266 Höhenmeter
30.06.25 - Einbeck - Hann.Münden
So
schön die Eindrücke von Einbeck waren, so trostlos waren die nächsten fast 20 Kilometer auf dem Leine-Radweg. Von Einbeck bis Northeim ging es nur auf begleitenden Wegen neben Land- und Kreisstraßen dahin - eines bekannten Fernradweges, wie dem Leine-Heide-Radweg unwürdig und von den zuständigen Stellen einfallslos zu bezeichnen. Radfahrer sind nicht dazu da, den Dreck und Gestank der nebenan fahrenden Kfz einzuatmen.
Kurz
hinter Einbeck gab es einen Hinweis auf die Saline Sülbeck, die wir besichtigten. Sie ist eine seit 1686 bestehende Saline in Sülbeck in Südniedersachsen. Die Bohrtürme aus den Jahren 1865 und 1882 sowie das Sole-Reservoir von 1882 gelten seit 1984 als Technische Denkmale.
Nach Northeim begann dann wieder eine schöne Wegführung abseits der Straße. Northeim haben wir nicht besichtigt, dafür Nörten-Hardenberg. Im Nachhinein wäre es wohl umgekehrt besser gewesen, Northeim gehört zur Fachwerkstraße, Nörten-Hardenberg nicht.
Ab Göttingen ging es bergauf, von Höhe 140 auf ca. 359 über N.N. auf dem Bahntrassenradweg Dransfelder Rampe. Wir hatten das
Gefühl, der Berg hört gar nicht mehr auf.
Kurz vor Dransfeld waren dann die Höhen bezwungen und wir durften endlich bergab rollen, wenn auch noch mit ein paar kleinen Zwischenhöhen gespickt. Nach 76 Kilometer und 450 Höhenmeter erreichten wir bei über 30 Grad erschöpft Hann. Münden, nach Einbeck die schönste Fachwerkstatt. Hier fließen Fulda und Werra zusammen und bilden den deutschen Strom, die Weser. Wir besichtigten die historischen Altstadt, bevor wir in einem guten Lokal den Tag ausklingen ließen.
Tagesetappe: 76 Kilometer / 430 Höhenmeter
01.07.25 - Hann.Münden - Kassel
Heute
war der letzte Tag unserer Radreise angebrochen. In Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Hessen begannen in ein paar Tagen die Sommerferien und wir wollten vor dem großen Sturm auf die Autobahnen noch vorher zurück in Rosenheim sein.
Unser Domizil in Hann. Münden lag direkt am Fulda-Radweg, der uns nach Kassel begleiten sollte. Die Fulda schlängelt sich romantisch dahin und nach ca. 20 Kilometern waren wir in Kassel. Ich komme aus der Nähe von Kassel und kenne mich bestens aus.
Daher kamen wir kaum mit dem wuseligen Verkehr in Berührung und fuhren durch Auepark und Park Schönfeld, wenn auch auf einem kleinen Umweg, zu unserem Ausgangspunkt in Kassel-Kirchditmold.
Am Folgetag fuhren wir mit dem PKW zurück nach Rosenheim, bei 38 Grad, aber mit Klimaanlage im Auto ganz angenehm und verkehrsarm vor dem großen Run.
Tagesetappe: 38 Kilometer / 180 Höhenmeter
Hier haben wir unsere Unterkünfte genannt, aber ohne Bewertung, da das immer subjektiv ist. Bei Interesse
findet man die Bewertungen im Netz. In der heutigen Zeit muss man feststellen, dass eine Übernachtung mit Frühstück mindestens zwischen 110 und 130 Euro kostet, Privatzimmer oder Ferienwohnungen etwas günstiger, jedoch ohne Frühstück. Viele Zimmer werden über Buchungsportale, wie z.B. Booking angeboten. Manche Hotels lassen sich auf einen günstigeren Preis ohne das Buchungsportal ein, andere lassen eine Buchung nur über das jeweilige Portal zu. Nachfragen lohnt sich auf jeden Fall.
Es folgen nun die Unterkünfte:
Wenn
es das Wetter im Sommer möglich macht, unternehmen wir am liebsten unsere Radreise in Deutschland. Die Landschaft in unserem Land ist einfach so vielfältig, dass man jeden Tag neuen Überraschungen begenet. Es muss also nicht immer die große, weite Welt sein. Und wenn sich das Wetter unbedingt nicht unseren Wünschen anpassen will, sind wir so flexibel und fahren mit dem Zug einfach dorthin, wo es passt.
In dem Text konnte ich viele Bilder nicht unterbringen. Daher habe ich nochmal eine Galerie zusammengestellt, die unter diesem Link zu finden sind. Viel Spaß damit.
Wir waren 15 Tage unterwegs, sind 793 Kilometer und 2410 Höhenmeter gefahren. Bei den 15 Tagen waren zwei radfreie Tage in Emden dabei.
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Rosenheim im Juli 2025
Kurt Schmidt
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