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erstellt von Kurt am 01.11.2026 / letzte Änderung am 02.11.2026
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Zum (vorläufigen) Jahresabschluss 2026 zog es uns ins Mangfalltal.
Es war heute morgen schon zapfig frisch, anders als vor zwei Wochen bei unserer Tour Drei-Seen-Runde, wo wir mittags noch gegen 20 Grad hatten. Heute war mit knapp zweistelligen Werten zu rechnen.
Neun
Personen trafen sich an der Turneralm. Pünktlich zog der Himmel auf und die Sonne wärmte uns. So ging es los entlang der Mangfall nach Kolbermoor und von hier über Loholz und Waschbrunn nach Ellmosen. Weiter radelten wir über Mietraching und Adlfurt zu unserem ersten Stopp, dem Tropenhaus von Weihenlinden. Hier wachsen Bananen, Papayas, Ingwer und viele weitere tropische Pflanzen - und das direkt am Fuße der Bayerischen Alpen. Informationen gibt es auf der Hompage vom Tropenhaus-Weihenlinden
Der
Weg führte uns weiter vorbei an der mächtigen Wallfahrtskirche Hl. Dreifaltigkeit zu Weihenlinden nach Högling. Hier steht die 1000-jährige Gerichtslinde. Unter diesem Baum fanden früher öffentliche Gerichtstage statt. Bis ca. 1930 wurden hier durch das sogenannte "högeln" die jungen Burschen sowie Zugezogene in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Eine Besichtigung weder der Kirche noch der Linde waren heute jedoch nicht vorgesehen.
Am Ortsausgang von Högling schlossen sich die Höglinger Weiher an, ein ehemaliges Kiesabbaugebiet und heute ein beliebtes Badeziel, jedoch kaum um diese Jahreszeit.
Als
nächstes fuhren wir durch Noderwiechs und Kirchdorf an der Haunpold nach Ginsham und kamen nach einem kleinen Anstieg zu einem Aussichtspunkt über das nahe Mangfalltal. Auf dem nebenstehenden Bild gibt es einen kleinen geschichtlichen Rückblick auf die Entstehung dieser heutigen Landschaft. Da der Text auf dem Bild nicht zu lesen ist, habe ich ihn in dem folgenden, farblichen Block aufbereitet. Wer das nicht lesen will: Hinter dieser Box geht der Bericht weiter.
des Pleistozäns im Zeitraum von 2,5 Mio. Jahren bis 18.000 Jahren folgten im Alpenraum sechs Eiszeiten aufeinander. Es waren die Biber-, Donau-, Günz-, Mindel-, Riss- und Würmvereisungen. Formgebend für unsere engere Heimat, dem Mangfalltal, war die Würmeiszeit, deren letzter Höhepunkt vor 18.000 Jahren war. Zu diesem Zeitpunkt lag hier eine Eisschicht mit einer Mächtigkeit von 300 m. Über Jahrtausende schob das Eis gewaltige Massen als Geschiebe vor sich her. Diese blieben zum Ende der Eiszeit als Moränen liegen und gaben der Landschaft die heutige Form.
Die Mangfall floss damals entlang des Inngletschers nach Norden in die Münchener Schotterebene. Mit dem Rückgang des Gletschers durchbrach sie die Moränen bei Grub nach Osten hin bis zum heutigen Feldkirchen. Im sog. Leitzach-Garstal-Zug nahm sie den Weg durch das Kupferbach- und Ebrachtal und mündete bei Gars in den Inn. Nach dem weiteren Abschmelzen des Eises durchströmte sie den Rosenheimer See zur heutigen Einmündung bei Rosenheim in den Inn.
Bereits während der Jungsteinzeit, vom 4. bis zum 2. Jahrtausend v. Chr., dürften die ersten Steinzeitjäger auf den Höhenzügen und den eiszeitlichen Moränen aufgetaucht sein. Hügelgräber im Wald bei Bergham erzählen uns von einer Besiedelung in der Urnenfelderzeit (spätere Bronzezeit 1.300 bis 800 v. Chr.).
Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass schon Völkerschaften der Illyrer im letzten Jahrtausend v. Chr. sowie die Völkerschaften der Kelten in der späten Hallstattzeit (Eisen- Latenezeit) durch diese Gegend zogen oder kurzfristig siedelten.
Reste von Straßenbefestigungen aus der frühen Kaiserzeit auf den Moränen nördlich der Mangfall lassen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Römerstraße von Salzburg (Juvavum) nach Augsburg (Augustum) hin schließen.
Siedlungsnamen mit der Endung -ing weisen vielfach ins 6. und 7. Jahrhundert zurück. Sie könnten auf Wanderfamilien deuten, wie einen Hegilo (Högling), Willo (Willing) oder Goto (Götting), welche als Rodungssiedler kamen oder auf schon freiem Ackerland siedelten.
Wertvolle goldene Schmuckstücke aus einem Gräberfeld aus der späteren Merowingerzeit kamen 2004 bei einem Tunnelbau an der Staatsstraße 2078 zu Tage. Diese weisen auf alten Geschlechteradel in dieser Gegend hin. Neben den Drozza und den Huosi gehörten auch die Fagana zum alten Landadel unter den Herzögen der Agilolfinger und den Königen der Karolinger. Der Name Vagen und Reste der Neuburg über dem Ort könnten in Beziehung zu den Faganen stehen.
Die Landschaft des unteren Mangfalltales war über viele Jahrhunderte bäuerlich geprägt. Mit dem Bau und der Eröffnung der Maximiliansbahn 1857 von Rosenheim nach Holzkirchen begann entlang der Bahnstrecke eine rasante Besiedelung mit einhergehender Industrialisierung.
Doch hat das Mangfalltal seinen ursprünglich ländlichen Charakter, seine landschaftliche Schönheit und den Charme einer über Jahrhunderte alten Kultur erhalten können. Den folgenden Generationen soll es Aufgabe sein und sei es ans Herz gelegt, dieses Erbe weiterhin zu pflegen und zu erhalten.
Nun
rollten wir hinab nach Maxhofen, vorbei am gleichnamigen Schloss und heute Schullandheim der Stadt München. Wieder streiften wir Kirchdorf an der Haunpold, unterquerten die stark frequentierte ST2078, überquerten in Bruckmühl die Mangfall und fuhren auf ruhigen Wirtschaftswegen unterhalb des Irschenberges wieder zurück gen Bad Aibling.
In unserem Stammlokal in Bad Aibling, dem griechischen Restaurant Dionysos, hatte ich für uns einen Platz reserviert. Nach gut 1¼ Stunden traten wir die letzten acht Kilometer zurück nach Rosenheim an.
Inzwischen war die Sonne weg und die Temperaturen im unangenehmen einstelligen Bereich.
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